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Miete als Apotheken-Killer

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Berlin -

In Berlin gibt es rund 100 Apotheken weniger als vor zehn Jahren. Als Grund dafür vermutet der Chef des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso), Franz Allert, gestiegene Gewerbemieten für die Betriebe.

Nach dem aktuell vorgestellten Jahresbericht des Lageso sank die Zahl von 899 Apotheken im Jahr 2008 auf 794 im Jahr 2018. Für kritisch hält Allert die neue Lage jedoch nicht. Die Versorgung mit Medikamenten sei weiter sichergestellt. Die Dichte von Apotheken sei in einigen Innenstadtbezirken immer noch bemerkenswert hoch. Vermutlich hätten sich vor allem Apotheker, die mehrere Filialen betrieben, seit 2008 von einigen getrennt.

Berlin sticht bei den Schließungen hervor: Laut Zahlen der ABDA ist die Apothekenzahl in der Hauptstadt in den vergangenen Jahren doppelt so schnell gesunken wie im bundesdeutschen Durchschnitt. Gab es zum Jahresende 2015 noch 854 Betriebsstätten, waren es zwei Jahre später nur noch 812 – ein Minus von knapp 5 Prozent, gegenüber 2,5 Prozent bundesweit. Im vergangenen Jahr setzte sich dieser Negativtrend weiter fort: In der Hauptstadt waren es nur noch 792 Apotheken.

Die Apothekendichte liegt ebenfalls unter dem bundesweiten Schnitt. 22 Betriebe gibt es laut ABDA-Zahlen je 100.000 Einwohner in Berlin; bundesweit sind es 23. Nur noch in Bremen ist die Dichte mit 21 Apotheken niedriger. Die meisten Apotheken je 100.000 Einwohner liegen im Saarland (30), gefolgt von Sachsen-Anhalt (26) sowie Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern (beide 25).

Der Schwerpunkt bei der Überwachung des Lageso lag laut eigenen Angaben in 2018 bei den Arzneimittelfälschungen. Hierzu gab es Routineüberprüfungen bei Herstellern und Untersuchungen von Fertigarzneimitteln. Bei 208 Checks wurden keine Fälschungen festgestellt. Aber es gebe eine steigende Zahl von Verdachtsfällen und den „Lunapharm-Skandal“ in Brandenburg.

Als Maßnahme wurde die Personalausstattung für Überwachung von Pharmaunternehmen und Händlern beim Lageso verstärkt. Zehn zusätzliche Stellen für Apotheker und drei zusätzliche Stellen für pharmazeutisch-technisches Personal wurden geschaffen. Auf Initiative Berlins gebe es zudem eine bundesweite Fachgruppe „Apothekenüberwachung“, bei der die Berliner Apothekenaufsicht den Vorsitz hat.

Insgesamt gab es zum Jahresende 2018 laut ABDA 19.423 öffentliche Apotheken, 325 weniger als im Jahr zuvor. Noch nie haben netto so viele Apotheken aufgegeben, der Rückgang entspricht einem Minus von 1,6 Prozent. Die Zahl der Apothekenleiter ist unter 15.000 gefallen.

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