Behandlungsfehler

Meldeportal: 60 Berichte über Apotheken

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Berlin -

Egal ob nach einem Krankenhausaufenthalt, einer Behandlung in einer Arztpraxis oder Leistungen eines Pflegedienstes – seit zwei Jahren können Versicherte über ihre persönlichen Erfahrungen aus der Gesundheitsversorgung auf dem Webportal „Mehr Patientensicherheit“ berichten. Das Ziel der von dem Verband der Ersatzkassen (vdek) und seinen Mitgliedskassen TK, Barmer, DAK-Gesundheit, KKH, hkk und HEK initiierten Plattform ist es, aus den berichteten Fällen Erkenntnisse für die Verbesserung der Versorgung zu gewinnen. Auch Meldungen zu Apotheken gingen ein.

Das Projekt wurde im Februar 2024 mit Unterstützung des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten, Stefan Schwartze (SPD), gestartet. Die Projektpartner zeigen sich nach zwei Jahren zufrieden: Seit dem Start seien von den Versicherten und ihren Angehörigen insgesamt über 1800 Fälle im Portal hinterlegt worden, teilen der vdek und der Patientenbeauftragte mit. In 60 Prozent der Berichte seien tatsächlich Patientinnen oder Patienten zu Schaden gekommen, meist auf vermeidbare Weise. Diese Zwischenbilanz zeige die große Relevanz des Teams. Daher haben die Ersatzkassen vereinbart, das Projekt bis mindestens Ende 2026 fortzuführen. Zudem habe man das Projekt für andere Krankenkassen geöffnet, sodass bereits mehrere Betriebskrankenkassen beigetreten seien.

„Dass so viele Menschen über ihre Erlebnisse im Gesundheitswesen in ‚Mehr Patientensicherheit‘ berichten, zeigt uns Ersatzkassen, dass wir einen Nerv getroffen haben. Denn bislang gab es solche Berichtssysteme nur für medizinisches Personal, beispielsweise im Krankenhaus“, erläutert vdek-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner. „Die Versichertenperspektive ist beim Erfassen typischer Risiken in der Versorgung unverzichtbar. Mit diesem Konzept konnten wir auch die neuen Projektpartner überzeugen und das Portal so auf breitere Beine stellen.“

Auch Berichte zu Apotheken liegen laut vdek vor. „In insgesamt 60 Berichten wird das Stichwort Apotheke genannt. 25 Berichte beschäftigen sich direkt mit Apotheken“, so ein Sprecher. Die Fälle reichen von der Abgabe falscher Medikation durch die Apotheke über nicht rechtzeitig bestellte Medikamente bis hin zur Kritik an verordneten Medikamenten, die immer wieder von unterschiedlichen Herstellern stammen.

Berichten müssen Taten folgen

„Das Berichtsportal wird gut angenommen – das freut mich sehr. Hier werden wichtige Hinweise zum konkreten Handlungsbedarf für die Verbesserung der Patientensicherheit zu Tage gefördert“, erklärt Schwartze. Es zeige damit eindrucksvoll, wie unverzichtbar es für eine sichere Versorgung ist, Patientinnen und Patienten und ihre Angehörigen einzubeziehen. „Keine andere Perspektive kann einen so entscheidenden Beitrag dazu leisten, Risiken, insbesondere an Schnittstellen der Versorgung, frühzeitig zu erkennen und systematische Fehler aufzuzeigen.“

„Selbstverständlich müssen den Berichten langfristig auch Taten folgen. Denn Patientensicherheit ist kein Zusatz, sondern ein wichtiger Grundsatz jeder medizinischen Behandlung – und sie lebt davon, dass die berichteten Erfahrungen ernst genommen, ausgewertet und in konkrete Verbesserungen überführt werden“, betont er. Schwartze begrüßt daher das Engagement der Ersatzkassen. Dass das Projekt nun verlängert und zugleich für weitere Krankenkassen geöffnet werde, sei ein wichtiges Signal zur Stärkung der Patientensicherheit und für die Patientinnen und Patienten. „Ich möchte alle Krankenkassen ermuntern, dieses Angebot anzunehmen, damit der Teilnehmerkreis weiter stetig wachsen kann“, so Schwartze.

Anonyme Berichte

Die Einträge auf dem Portal seien vollständig anonym und werden von einem auf solche Berichtssysteme spezialisierten Team der Deutschen Gesellschaft für Patientensicherheit (DGPS) analysiert und publiziert. Aus Berichten, die ein besonderes Lernpotenzial bieten, würden Fokusfälle abgeleitet und anschaulich aufbereitet, etwa zum Fall einer zu spät erkannten Gürtelrose oder einer Verwechslung, bei der ein Patient fast eine falsche Infusion bekommen hätte. Zudem biete die Seite konkrete „Tipps für Versicherte“. In dieser Rubrik werden Themen behandelt, die gleich in mehreren Fallberichten eine Rolle spielten. Darin geht es etwa darum, was Patientinnen und Patienten selbst tun können, um die richtige Anschlussversorgung nach einem Krankenhausaufenthalt zu erhalten oder was sie zur Vermeidung eines Delirs beitragen können. Ausgewählte Fokusfälle und Tipps werden außerdem als Kurzfilme oder Social-Media-Postings aufbereitet. Im Laufe des Jahres sollen die Erkenntnisse gezielt an relevante Akteure des Gesundheitssystems weitergegeben werden, beispielsweise an Organisationen für Patientenrechte oder Verbände von Ärztinnen und Ärzten oder Krankenhäusern.

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