Koalitionsverhandlungen

Erstattungspreise: Apothekenmarge sinkt

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Berlin -

Union und SPD wollen das geplante Pharma-Sparpaket noch in diesem Jahr in Angriff nehmen: „Ein Kabinettsbeschluss dazu wird noch im Jahr 2013 angestrebt“, heißt es in einer Vorlage für den Koalitionsvertrag der AG Gesundheit. Die ausgehandelten Erstattungspreise neuer Arzneimittel sollen künftig Grundlage der Abschläge aller Vertriebsstufen sein. Mit anderen Worten: Die Marge der Apotheker sinkt bei diesen Präparaten.

Seit mehr als einem Jahr streiten GKV-Spitzenverband und Apotheker, welcher Preis für die Berechnung der Marge zugrunde zu legen ist. In der Rahmenvereinbarung mit den Pharmaverbänden war zwar explizit vereinbart worden, dass der Listenpreis hierfür seine Gültigkeit behält. Doch die Kassen hatten eine neue Sparmöglichkeit entdeckt; das Bundesgesundheitsministerium (BMG) sah es genau so.

Im vergangenen November schlug der GKV-Spitzenverband vor, das Thema einer Schiedsstelle vorzulegen. Parallel schuf der Deutsche Apothekerverband (DAV) Fakten: Seit Februar können die Erstattungspreise über die Software abgerechnet werden – Grundlage ist der Listenpreis.

Mit der gesetzlichen Klarstellung verschlechtert sich die Lage für die Apotheken: Bei Brilique etwa, dem ersten Präparat mit Erstattungspreis, sinkt der Herstellerabgabepreis für die 100er-Packung von bislang 124 auf 100 Euro. Das Honorar der Apotheken sinkt damit – ohne Kassenabschlag – von 11,96 Euro auf 11,22 Euro.

Noch teurer wird es, wenn der Herstellerabschlag in den Rabatt einfließt: Bei Gilenya etwa verdienen die Apotheken statt 65 Euro nur noch knapp 49 Euro, also gut ein Drittel weniger. Laut Dr. Sebastian Schmitz, Hauptgeschäftsführer der ABDA, geht es um zweistellige Millionenbeträge für die Apotheker.

Immerhin: Der große Preisrutsch bleibt aus, weil teure Schnelldreher aus dem Bestandsmarkt nun doch nicht wie geplant geprüft werden. Wegen „einer Reihe rechtlicher, verfahrenstechnischer und praktischer Probleme“ werden bereits zugelassene Medikamente mit Patentschutz nach dem Willen von Union und SPD nicht mehr bewertet.

Die Krankenkassen hatten auf Einsparungen von bis zu zwei Milliarden Euro gehofft. Als Kompensation wollen Union und SPD das Preismoratorium für den Bestandsmarkt auf dem Niveau vom 1. August 2009 „nahtlos fortführen“.

Der Herstellerrabatt auf verschreibungspflichtige Arzneimittel soll von 6 auf 7 Prozent erhöht werden. Damit beides zum Jahreswechsel umgesetzt werden kann, benötigt die Koalition noch in diesem Jahr den Kabinettbeschluss.

Die Große Koalition behält sich außerdem eine Lockerung oder Verschärfung dieser Regelungen vor. Laut dem Papier wird das Paket ab 2015 jährlich daraufhin überprüft, „ob abhängig von der finanziellen Lage der gesetzlichen Krankenversicherung eine Anpassung nötig ist“. Nach unten gibt es jedoch eine Grenze: „Der Rabatt darf sechs Prozent nicht unterschreiten“, heißt es.

Bei den zentralen Preisverhandlungen zwischen dem GKV-Spitzenverband und den Herstellern soll künftig mindestens ein Vertreter einer Mitgliedskasse des GKV-Spitzenverbandes teilnehmen, „um den Versorgungsaspekt zu stärken“.

Die AG Gesundheit setzt am kommenden Montag ihre Verhandlungen fort. Ein weiteres Treffen im Paul-Löbe-Haus ist für den folgenden Mittwoch vorgesehen.

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