Schiefgelaufene Immobilienspekulationen sind zuletzt vor allem bei den Versorgungswerken Grund für Negativschlagzeilen gewesen. Die Kaufmännische Krankenkasse KKH hat sich aber ebenfalls verhoben: Die KKH rechnet laut Medienberichten mit Wertberichtigungen bei ihren Anlagen in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro.
Wie die Zeitungen der Madsack Mediengruppe berichten, soll die Kasse aus Hannover sich bei lukrativ klingenden Bauprojekten – vor allem in Städten wie Düsseldorf, Berlin oder München – genauso wie Versorgungswerke, Kassenärztliche Vereinigungen und andere Kassen verspekuliert haben. „Recherchen unserer Redaktion zeigen: Allein die KKH rechnet mit Wertberichtigungen bei ihren Anlagen in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro“, schreibt nun unter anderem die „Hannoversche Allgemeine“ (HAZ).
Demzufolge liegen interne Unterlagen vor, insgesamt gehe es um ein Projekt-Portfolio im Umfang von 260 Millionen Euro. Zusammen mit anderen Investoren aus dem Gesundheitsbereich klagt die KKH daher inzwischen vor dem Landgericht Frankfurt. Angeschuldigt sind Unternehmen und Personen aus dem Vermittlungsbereich für solche Investitionen.
Der Vorwurf: Täuschung über das tatsächliche Risiko der Geldanlage; man habe mit Absicht den Anschein einer „sicheren, konservativen Anlage“ vermittelt. Die KKH beteuert, „verantwortungsbewusst mit den Geldern der Beitragszahlenden umgegangen“ zu sein, zitiert die HAZ eine Sprecherin. Besonders großer Verlust sei mit Beginn des Ukraine-Krieges entstanden, der der Immobilienbranche insgesamt erheblichen Schaden bereitete.
Laut der Medienrecherchen habe die KKH allerdings die Abläufe auf dem Weg zum Investment ebenfalls intern aufgearbeitet. Dabei seien „erhebliche interne Probleme aufgedeckt“ worden; es seien „strategische Fehleinschätzungen“ getroffen und mit „mangelnder Expertise im Umgang mit komplexen Finanzkonstrukten“ vorgegangen worden. Auch die „gebotene professionelle Distanz zu Vermittlern“ sei nicht eingehalten worden, schreibt die HAZ.
Trotz der gesetzlichen Vorgabe, bei Investitionen „maximal risikoarm“ vorzugehen, wurde hier der Werbung der Vermittler unreflektiert gefolgt, so die Recherche-Ergebnisse. Seit 2017 sei daher Geld in die nun zur Debatte stehenden Investitionsvorhaben geflossen. Zu den Anschuldigungen will sich die KKH nicht äußern, auch die zuständige Aufsichtsbehörde, das Bundesamt für Soziale Sicherung, will bei dem Fall nicht ins Detail gehen, da es um Geschäftsgeheimnisse der Kasse gehe.
Verhandelt werden soll die Klage der drei Parteien dann im Dezember. Auch vom Bundesamt für Soziale Sicherung gebe es die Vorgabe, nun zu retten, was noch möglich ist. Für die KKH hätten sich hieraus laut HAZ weitere Ausgaben von mehr als drei Millionen Euro ergeben – für Berater. Dabei gehe es um Restrukturierung der Geldanlagen, aber auch um Haftungsfragen. Dass Vertragsunterlagen dabei lückenhaft oder „gänzlich nicht vorhanden“ seien, erschwere die Aufarbeitung.
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