Kampf gegen Lieferengpässe: Lauterbachs Gesetz fällt durch | APOTHEKE ADHOC
aposcope-Befragung

Kampf gegen Lieferengpässe: Lauterbachs Gesetz fällt durch

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Berlin -

Nicht nur die Abda ist unzufrieden mit dem Referentenentwurf für das Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz (ALBVVG), auch den Apotheken vor Ort geht das nicht weit genug, wie eine aktuelle aposcope-Befragung zeigt.

72 Prozent rechnen mit einem Chaos in den Apotheken, wenn am 7. April die Sars-Cov-2-Arzneimittelversorgungsverordnung ausläuft. Denn die Ausnahmeregelungen bei der Abgabe von Arzneimitteln sind für neun von zehn der Befragten essenziell für die Versorgung und haben maßgeblich zur Versorgungssicherung beigetragen. Inzwischen deutet sich an, dass die Ampel-Koalitionäre ein Einsehen haben und einen entsprechenden Änderungsantrag ins UPD-Gesetz einbringen wollen.

Zum Zeitpunkt der Umfrage stand eine Verstetigung der Regeln oben auf der Wunschliste. Besonders viele wollen die Lockerungen bei der Abgabe von Teilmengen (69 Prozent) und den Aut-simile-Austausch (65 Prozent) beibehalten. Mehr als jede:r Zehnte gibt auch die Abgabe von Betäubungsmitteln zwischen Apotheken an.

Im Entwurf des ALBVVG ist die Verstetigung der Regeln allerdings nur teilweise vorgesehen, zudem sollen diese an die offizielle Engpass-Liste des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geknüpft werden – knapp die Hälfte aller Befragten (47 Prozent) ist unzufrieden mit dem Entwurf, ein Drittel ist unentschlossen. Der Aussage, dass durch das ALBVVG zukünftig Lieferengpässe verhindert werden können, stimmen nur rund 23 Prozent der Teilnehmenden zu oder eher zu. Über ein Viertel kann das noch nicht einschätzen (28 Prozent), jede:r Fünfte stimmte „überhaupt nicht zu“.

Unter den Apothekeninhaber:innen sind die Antworten eindeutiger: 84 Prozent sind unzufrieden mit dem Entwurf und 90 Prozent glauben nicht, dass durch das ALBVVG zukünftig Lieferengpässe verhindert werden können.

Abda-Forderungskatalog befürwortet

Unter anderem als Antwort auf den Entwurf des ALBVVG hat die Abda zehn konkreten Forderungen der Apotheker:innen veröffentlicht. Bei den Apothekenteams kommt die Auswahl gut an, wie die aktuelle aposcope-Befragung ebenfalls aufzeigt.

Die Befragten durften jeweils Schulnoten von 1 bis 6 verteilen, insgesamt enthielt der Katalog zehn Forderungen. Diese waren vergangene Woche veröffentlicht worden und sollen an entsprechende Protestmaßnahmen geknüpft werden.

Folgende Forderungen wurden durch den Abda-Gesamtvorstand beschlossen:

  • Erhöhung des Fixums auf 12 Euro
  • Dynamisierung des Fixums
  • Pauschale für jede Betriebsstätte
  • Entscheidungsfreiheiten bei der Abgabe
  • Nullretaxation abschaffen
  • Finanzieller Ausgleich für die Bewältigung von Lieferengpässen
  • Kein Inkasso-Risiko beim Herstellerabschlag
  • Gemeinsames Medikationsmanagement mit Ärzt:innen
  • Einschränkung des Präqualifizierung
  • Bürokratieabbau

Die Forderung nach der Erhöhung des Fixums erhielt im Schnitt die Note 1,6, für dessen Dynamisierung vergaben die Apotheker:innen und PTA durchschnittlich eine 1,8.

Eine zusätzliche regelmäßige Pauschale für jede Betriebsstätte wurde ebenso befürwortet (1,9), mehr Handlungsfreiheit bei der Arzneimittelabgabe schnitt sogar noch besser ab (1,6). Die beste Note erhielt die Abschaffung der Nullretax (1,4).

Die Abda fordert statt der 50 Cent auch einen „angemessenen“ Engpass-Ausgleich, dafür gab es im Schnitt die Note 1,8. Auch die Abschaffung des Inkasso-Risikos des Herstellerrabattes erhielt gute Noten (1,7).

Lediglich gut (2,1) bewertet wurde die Forderung nach einer Rechtsgrundlage für Arzt-Apotheker-Kooperation beim Medikationsmanagement, dafür spricht die Einschränkung des Präqualifizierungsverfahrens vielen aus der Seele (1,7), ebenso die Einzelmaßnahmen zum Bürokratieabbau (1,8).

Die Gruppe der Inhaber:innen vergab für alle Forderungen bessere Noten, die Erhöhung und regelmäßige Anpassung des Fixums erhielten sogar eine 1,2, ebenso die Einschränkung des Präqualifizierungsverfahrens. Die beste Note gab es aber für das Ende der Nullretax: 1,1.

Um die Forderungen durchsetzen zu können, sind Protestmaßnahmen geplant, am 14. März hält die Abda eine Pressekonferenz zu dem Thema ab. Diese soll trotz der offenbar vorgesehenen Verlängerung der Abgaberegeln stattfinden.

Für die aposcope-Befragung wurden am 6. und 7. März insgesamt 301 verifizierte Apotheker:innen und PTA befragt.

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