Kommentar

Gutes Pick up, böses Pick up

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Pick up-Stellen überfordern die Regierung. So richtig toll findet das Modell in Berlin angeblich niemand, aber eine Regelung ist auch knapp eineinhalb Jahre nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts nicht in Sicht. Das Thema Arzneimittelsicherheit ist seither zur Auslegungssache geworden.

Durch die Verwaltungsrichter verunsichert, sind die Politiker auch parteiintern auf Orientierungssuche. Die Koalition ist sich nicht einmal einig, ob die „Auswüchse des Versandhandels“ oder lediglich die „ungewünschte Ausweitung der Pick up-Stellen“ verhindert werden müssen. Gutes Pick up, böses Pick up.

Diese Argumentation wirkt schizophren und zeigt, wie fragil das Thema Arzneimittelsicherheit ist. Vom Bauchgefühl her scheinen Arzneimittel in Drogerien zwar immer noch besser aufgehoben als in der Dönerbude. Aber warum eigentlich? Hatten nicht die Verwaltungsrichter gerade darauf abgestellt, dass diese Emotion nicht entstehen darf?

Tatsächlich dürfte bei den sogenannten Auswüchsen an Tankstellen und in Textilreinigungen für den Verbraucher viel eindeutiger zu erkennen sein, dass es sich um das Angebot einer Versandapotheke handelt. Die Grenze zwischen Drogeriemarkt und Versandapotheke ist in der Realität viel nebulöser. Wenn die Regierung das Urteil so lesen würde, müsste sie eigentlich Drogeriemärkte vom Pick up-Geschäft ausschließen.

Alleine über den Hebel Freiwahlsortiment den Kreis der Mitspieler festzulegen, erscheint ohnehin wenig nachvollziehbar und hat mit Arzneimittelsicherheit nichts zu tun. Den Sachkundenachweis für freiverkäufliche Arzneimittel kann jeder nach einem Wochenendkurs bekommen. Und bei Schlecker, dm & Co hat nicht einmal jeder Mitarbeiter den Schein.

Auch der Anforderungskatalog der SPD gibt keine Antworten. Ein abgeschlossener Raum, ein Telefon, eine Ausweiskontrolle - Arzneimittelrecht kann so einfach sein. Wer über Qualitätskriterien spricht, sollte sich nicht nur über Unterschiede zwischen Drogerien und Tankstellen, sondern auch zwischen Drogisten und Discountern Gedanken machen.

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