Gesundheitskompetenz

Strategiegespräch: Gröhe lädt Apotheker ein Lothar Klein, 13.05.2016 14:29 Uhr

Berlin - Mehr als die Hälfte der Deutschen fühlt sich von der Informationsflut zu Gesundheitsthemen überfordert. Das zeigt eine repräsentative Studie der Universität Bielefeld. Demnach weisen rund 44 Prozent der Deutschen eine eingeschränkte und weitere 10 Prozent sogar eine unzureichende Gesundheitskompetenz auf. Damit liegt Deutschland unter dem europäischen Durchschnitt. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat diesbezüglich auch die Apotheker zu einem Strategiegespräch geladen.

Deutschland fällt auch deutlich gegenüber vergleichbaren Ländern wie den Niederlanden oder Dänemark ab. Dem wollen die Universität Bielefeld, der AOK-Bundesverband und die Hertie-School of Governance mit einem „Nationalen Aktionsplan Gesundheitskompetenz“ entgegenwirken. Gröhe ist Schirmherr der Initiative. Im Juni lädt Gröhe zur Verbesserung der Kommunikation in Gesundheitsfragen zu einem Strategietreffen in das Bundesgesundheitsministerium (BMG). Mit dabei sollen offenbar auch die Apotheker sein: „Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker“, antwortete Gröhe auf die Frage nach der Rolle der Pharmazeuten. Im Expertengremium des von der Robert-Bosch-Stiftung unterstützten Aktionsplanes sind die Apotheker allerdings noch nicht vertreten. „Das ist eine gute Anregung, ein wichtiger Hinweis“, reagierte Professor Dr. Doris Schaeffer, Leiterin der Studie, „Warum haben wir die Apotheker nicht eingeladen?“ Eine zehnköpfige Gruppe „anerkannter Experten“ soll bis Ende 2017 einen Maßnahmenkatalog erarbeiten. Gröhe sieht das Hauptanliegen darin, in den „Informationsdschungel zum Thema Gesundheit eine Verständnisschneise zu schlagen. Es gibt ein Recht der Patienten auf Verständlichkeit.“ Zu Verbesserung der Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten müsse aber kein zusätzliches Geld fließen, so Gröhe: „Ein verständlicher Satz muss nicht besser bezahlt werden als ein unverständlicher.“ Es sei nicht notwendig, medizinische Dinge so kompliziert auszudrücken. Manchmal stecke dahinter die „Demonstration von Herrschaftswissen“. Bei der Honorierung der Ärzte sei zudem die sogenannte sprechende Medizin bereits angemessen berücksichtigt. Studienleiterin Schaeffer kritisierte die überwiegend unverständliche Kommunikation: „Wenn sie in ein Krankenhaus kommen, wissen sie nicht, was mit ihnen passiert. Das muss verständlicher werden.“ Trotz der Kommunikationsprobleme seien Ärzte immer noch die erste Anlaufstelle für Patienten. Das Vertrauen sei ungebrochen.“ Als Vorbild verwies Schaeffer auf Kanada. Dort dauere ein durchschnittliches Arzt-Patientengespräch zwischen zehn bis 15 Minuten. In Deutschland sei die Arztkonsultation im Schnitt nach vier bis fünf Minuten beendet.

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