„Je jünger die Inhaber:innen, desto höher die Bereitschaft“

DAT-Streik: Letzte Warnung für Lauterbach

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Berlin -

Am 27. September sollen laut Abda die Türen der Apotheken in Deutschland geschlossen bleiben: In der Zeit von 13 bis 16 Uhr soll Apothekenteams damit die Möglichkeit gegeben werden, die Rede des Bundesgesundheitsministers Professor Karl Lauterbach (SPD) beim Deutschen Apothekertag (DAT) in Düsseldorf zu verfolgen. Wie kommt das Vorhaben bei den Apotheken an?

„Grundsätzlich bin ich für den Streik“, so Nojan Nejatian, Inhaber der Heegbachapotheke in Erzhausen. „Es muss nur der richtige Zeitpunkt sein. In meinen Augen brächte ein Streik am 2. Oktober zusammen mit der Ärzteschaft viel mehr. Man könnte die Kräfte dann sozusagen bündeln und deutlich machen, dass die pharmazeutische sowie die ärztliche Versorgung Hand in Hand gehen und dass es massive Probleme gibt“, so der Apotheker.

Ein Streik am 27. September könne sich auch gegenteilig auswirken und nicht den gewünschten Erfolg bringen. „Mein Eindruck vom bundesweiten Protesttag war, dass er in der Politik zu wenig wahrgenommen wurde. Wenn wir genau an diesem Tag streiken, an dem wir eigentlich eine Antwort von Lauterbach erwarten, fehlt der Nachdruck“, so Nejatian. „Wir sollten abwarten, was die Antworten des Ministers sind und danach entscheiden“, so der Apotheker.

Er sieht den nachmittäglichen Streik als Drohgebärde: „Da schwebt ein gewaltiges Damoklesschwert über Lauterbach. Wir haben den Schulterschluss am 14. Juni erlebt, die Apotheken können also erneut streiken, und das steht momentan im Raum“, so der Inhaber, der erst in Aktion treten will, wenn die Antwort am 27. September negativ ausfällt. „Nach diesem Tag und bei negativer Antwort bin ich absolut dafür, dass wir alle streiken.“

In der Apothekerschaft sei man bezüglich des Streikvorhabens noch geteilter Meinung, findet Nejatian. „Ich habe den Eindruck, je jünger die Inhaber:innen sind, desto höher ist auch die Bereitschaft zum Streik“, so der Inhaber. „Junge Apotheker:innen schauen derzeit in eine düstere Zukunft und wissen vielleicht nicht, ob sie den Kredit auch nächsten Monat noch bedienen können. Die älteren Semester stehen vielleicht kurz vor der Rente und sind deshalb auch in meinem Umfeld der Meinung, es bringe nichts, auf die Straße zu gehen“, so Nejatian.

„Es muss einen Plan B geben"

Doreen Wegner, Apothekerin in Mecklenburg-Vorpommern, ist enttäuscht, dass Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) „es nicht für nötig hält, in dieser prekären Situation persönlich auf dem Apothekertag zu erscheinen“. Sie sei gespannt, ob er es schafft, per „Zuschaltung“ die gestellten Fragen zu beantworten. Oder ob er doch noch kurzfristig absagt.

Was dann? Abwarten ist für die Inhaberin keine Option. „Es muss einen Plan B geben, der gleich im Anschluss greift“, so Wegner. „Wenn wir zum x-ten Mal ignoriert werden, müsste direkt danach gestreikt werden.“ Wegner hält in dem Fall mehrere Tage für notwendig, in denen nur die Notversorgung stattfinden dürfte. Außerdem sollten dann einzelne Lieferverträge gekündigt werden, um den Krankenkassen ein aussagekräftiges Statement entgegenzubringen.

Sie werde ihre Apotheke am 27. September von 13 bis 16 Uhr geschlossen halten und ruft ihre Kolleg:innen dringend dazu auf, mitzumachen. „Wir können das doch und haben schon einmal gezeigt, wie wir zusammenstehen. Wir müssen unbedingt vorbereitet sein.“

An der Basis wird das Vorhaben ebenfalls nur als Auftakt gesehen: „Ich bin positiv überrascht, dass es wieder geschlossene Türen geben soll“, so Daniela Hänel, 1. Vorsitzende der Freien Apothekerschaft. „Ich werde an diesem Tag mitmachen und meine Apotheke schließen, ob nur in den vorgegebenen drei Stunden oder komplett, entscheide ich noch – je nachdem, wie sich Karl Lauterbach im Vorfeld verhält.“

Sollte er den Termin absagen oder nicht zufriedenstellend antworten, hoffe Hänel auf einen Plan B: „Es muss dann umgehend etwas passieren und zwar im direkten Anschluss. Ich wünsche mir, dass wir dann weitermachen, es muss eine Eskalation geben, sollte unser Anliegen abgelehnt werden“, so die Apothekerin.

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