Kommentar

Das dreckige Spiel

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Berlin -

Dass in der Politik mit harten Bandagen gekämpft wird – keine Frage. Dass es in der Gesundheitspolitik mitunter darum geht, Interessengruppen gegeneinander auszuspielen – geschenkt. Aber dass man einen ganzen Heilberuf an der Nase herum führt, wie Karl Lauterbach (SPD) es mit den Apotheken tut, ist ein Zeichen besinnungsloser geistiger Niedertracht. Und die Abda scheint mitzuspielen, macht gute Miene zum bösen Spiel.

Manchmal muss man Lobbygruppen „einen vorsetzen“, wie man so schön sagt. Und dass Lauterbach das im Sommer getan hat, als ihm die Protestrufe aus der Apothekerschaft zu bunt wurden, kann man irgendwie sogar verstehen. Im Grunde gibt es im Bundesgesundheitsministerium (BMG) ja eine ganze Abteilung, die sich den ganzen Tag lang mit Strategie und Taktik beschäftigt.

Aber ein Gesundheitsminister muss mehr können als nur für Affront zu sorgen. Er muss unterschiedliche Interessen unter einen Hut bringen, eine Vision aufzeigen und die verschiedenen Akteure hinter sich versammeln. Das kann Lauterbach nicht, weil ihm die charakterliche Eignung dafür fehlt, und deshalb versucht er es gar nicht erst.

Wieder einmal lanciert er also seine Pläne über ausgewählte Medien, immerhin hat er Abda-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening diesmal kurz vorher noch informiert. So konnte sie sich schon vorbereiten – und ein wenig Lob in ihre Kritik packen: Wenigstens keine Filialen ohne Rezeptur oder Notdienste, wenngleich noch immer ohne Approbierte. Und bei der Honorarumverteilung spricht sie, trotz massiver Kürzungen gerade im Hochpreiserbereich, von „ersten Kompromisslinien“ und „positiven Entwicklungen“.

So viel Lob für jemanden, der einen ganzen Berufsstand zum zweiten Mal in wenigen Monaten überfährt und der den Apothekenteams diesmal ganz gezielt Weihnachten verdirbt, das kann nicht gut gehen. Was sollen die zehntausenden Kolleginnen und Kollegen, die im November auf die Straße gegangen sind, davon halten, dass ihre Standesvertretung sein Spiel mitspielt? Wie will sich die Abda einem Minister „mit aller Kraft entgegenstellen“, dem sie gleichzeitig attestiert, dass er „sensibler geworden“ ist? Und was sollen die Verbündeten beispielsweise in den Ländern denken, die die Apothekerschaft noch hat?

Das schönste Weihnachtsgeschenk hat Lauterbach damit sich selbst gemacht: Im kommenden Jahr, so viel scheint sicher, wird ein Hauen und Stechen innerhalb der Apothekerschaft beginnen. Lauterbach und seine Leitungsabteilung können dann zusehen, wie sich der Berufsstand selbst zerlegt. Wie aus der vermeintlichen Stabilisierung der Apotheken eine Destablisierung der Apothekerschaft wird. Viel besser hätte man es eigentlich nicht machen können.

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