Seit gestern berät die CSU auf ihrer Klausurtagung im Kloster Seeon über ihre bundespolitischen Ziele für das Jahr 2026. Auf einem bereits kursierenden Entwurf eines Beschlusspapiers finden sich neben verteidigungspolitischen Forderungen und geplanten Steuersenkungen auch gesundheitspolitische Punkte. Demnach soll unter anderem die Prävention durch eine „klare Strategie“ gestärkt, die Frauengesundheit in den Fokus gerückt und Maßnahmen zur Gewinnung von Landärzten ausgeweitet werden. Die Apotheken spielen dabei allerdings keine Rolle.
Ein Schwerpunkt des Papiers liegt auf der Stärkung der Prävention. „Deutschland hat die höchsten Gesundheitsausgaben pro Kopf
und fällt bei der Lebenserwartung in Westeuropa trotzdem zunehmend zurück“, heißt es in dem Entwurf. Zur wirksamen Gegensteuerung sei eine „klare Strategie“ erforderlich, die gezielte Aufklärung, exzellente Forschung und individuelle, digital unterstützte Angebote umfassen müsse. Die Partei wolle die Prävention im Alltag, in Kitas, Schulen und Betrieben stärken und die Gesundheitskompetenz in allen Lebenswelten fördern. Konkret wolle man sich deshalb für den Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften einsetzen. Zudem solle die Weiterbildung angehender Kinder- und Jugendärzte in der ambulanten Versorgung gestärkt und für Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten eine eigene Bedarfsplanung eingeführt werden.
Ein weiteres Kernanliegen ist die Frauengesundheit, da Frauen und Männer bei vielen Erkrankungen unterschiedliche Symptome aufweisen und spezifische Behandlungspfade benötigten. Die CSU beabsichtige daher, den Fokus in der Medizin neu zu setzen. „Wir legen deshalb einen klaren Förderschwerpunkt auf die lange vernachlässigten Besonderheiten der
Frauengesundheit“, so die Verfasser. Ein besonderes Augenmerk gelte der Forschung zu Endometriose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Brustkrebs und den Wechseljahren – Themen, denen laut Papier deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden müsse. Gleichzeitig solle die Früherkennung vorangetrieben und das Thema Frauengesundheit bereits im Medizinstudium durch zusätzliche Lehrstühle strukturell verankert werden.
Um die medizinische Versorgung im ländlichen Raum zu sichern, setzt die CSU auf das bayerische Modell der Landarztquote. Aktuell werden im Freistaat acht Prozent der Medizinstudienplätze an Bewerber vergeben, die sich verpflichten, nach dem Facharzterwerb mindestens zehn Jahre in einem unterversorgten Gebiet hausärztlich tätig zu sein. Der Bund müsse nun die Rahmenbedingungen setzen, damit diese Idee im gesamten Land und gegebenenfalls für weitere Facharztgruppen, wie etwa Kinderärzte, umgesetzt werden könne.
Neben den Ärzten sollen auch Hebammen stärker unterstützt werden, da sie für eine flächendeckende geburtshilfliche Versorgung unverzichtbar seien. Die CSU plant, Hebammen, Kliniken, Praxen und sozialpädiatrische Zentren besser zu vernetzen und auch außerklinische Angebote wie Geburtshäuser in die Versorgungsplanung einzubeziehen. Zudem solle das Beleghebammenwesen erhalten und hebammengeleitete Kreißsäle flächendeckend gefördert werden.
Zur Entlastung pflegender Angehöriger setzt die CSU auf das Modell der Gemeindeschwester. Diese solle in Kommunen als zentrale Ansprechpartnerin fungieren und den Zugang zum Pflegesystem koordinieren. Große Potenziale sieht die Partei zudem in der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz. Robotik und Sensorik könnten die häusliche Pflege spürbar entlasten, weshalb bürokratische Hürden für solche Technologien abgebaut und deren Refinanzierbarkeit erleichtert werden solle.
Außerdem fordert die CSU eine Kehrtwende bei der telefonischen Krankschreibung. Seit deren Einführung sei zwischen 2021 und 2022 erstmals ein sprunghafter Anstieg der Fehltage um fast 40 Prozent zu verzeichnen gewesen, was die Wirtschaft zunehmend belaste. Diesen Zustand wolle man beenden und die telefonische Krankschreibung deshalb wieder abschaffen. Darüber hinaus plant die CSU, die Gesundheitsforschung zu postinfektiösen Erkrankungen zu stärken und eine nationale Biobank als zentralen Datenschatz zu etablieren.