Bundesverwaltungsgericht: Arzt ist nicht allmächtig

, Uhr

Auf dieser Grundlage habe das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz zu Recht entschieden, dass es sich bei den Frischzellenpräparaten um bedenkliche Arzneimittel handele. Über Bekundung eines unspezifischen, subjektiv empfundenen Nutzen seiner Patienten hinaus habe der Arzt keine hinreichenden Belege für eine konkrete Wirksamkeit in einer bestimmten Indikation erbracht.m Vielmehr ergebe sich gemäß eines Gutachtens des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) der begründete Verdacht schwerwiegender autoimmunologischer und allergischer Nebenwirkungen.

Diese Bedenken habe der Mediziner nicht ausräumen können, vielmehr habe er sich damit begnügt, „seine eigene Meinung an die Stelle der Würdigung des Gerichts zu setzen“. Das Gericht habe sich dagegen nicht nur mit theoretischen Möglichkeiten begnügt, sondern auf konkrete Fälle und statistische Auswertungen von Nebenwirkungen abgestellt. Als bedenklich seien Arzneimittel einzustufen, bei denen nach dem jeweiligen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse der begründete Verdacht bestehe, dass sie bei bestimmungsgemäßem Gebrauch schädliche Wirkungen haben, die über ein nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft vertretbares Maß hinausgehen. „Ein positiver Nachweis der befürchteten schädlichen Wirkungen ist deshalb nicht erforderlich.“

Mit dem Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) wurden Frischzelltherapien übrigens Ende vergangenen Jahres komplett verboten. Laut aktuellem Forschungsstand sind sie nicht nur nutzlos, sondern auch gefährlich. Im Jahr 2014 steckten sich zum Beispiel in Rheinland-Pfalz mehrere Patienten und Klinikmitarbeiter mit der hochansteckenden Schafkrankheit Q-Fieber an. Sie kann zu Lungenentzündung, Herzmuskelentzündung und auch zum Tod führen.

Frischzellentherapien wurden als „Anti-Aging-Kur“ oder zur „Stärkung er Immunabwehr“ angepriesen. Privatkliniken lockten mit diesen und ähnlichen Versprechen zum Teil schwer kranke Menschen aus aller Welt an. Sie erhofften sich mit den Kuren unter anderem Heilung oder Linderung von Krankheiten wie Parkinson oder Multipler Sklerose.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch

APOTHEKE ADHOC Debatte

Mehr zum Thema
1400 Euro gestohlen, 2600 Euro Strafe
Ex-Apothekenmitarbeiter räumt nachts die Kasse aus »
Mehr aus Ressort
Podcast NUR MAL SO ZUM WISSEN
Karl, der Mal-sehen-wie-Große »
Mehr Transparenz in der Lieferkette
EMA bekommt Engpass-Datenbank »
Streit um das Millionenprojekt
LAV-Beitrag: 50 Euro pro Monat für Gedisa »
Weiteres
Podcast NUR MAL SO ZUM WISSEN
Karl, der Mal-sehen-wie-Große»
Mehr Transparenz in der Lieferkette
EMA bekommt Engpass-Datenbank»
Streit um das Millionenprojekt
LAV-Beitrag: 50 Euro pro Monat für Gedisa»
Suspension und Kapseln
Sildenafil in der Pädiatrie»
„Der Betriebsablauf darf nicht gestört werden“
Angestellte abwerben: Das ist nicht erlaubt»
Report Mainz über Impfpassfälschungen
Apotheken im Fadenkreuz von Impfgegnern»
Dosierung, bedenkliche Stoffe, Preis
Retaxgefahr Rezeptur»
Rechtliche und pharmazeutische Aspekte
Grauzone: Abgabe von mehreren OTC-Packungen»