Exklusive Rabattverträge

Biosimilars: Erste Ausschreibung gestartet

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Berlin -

Noch vor Inkrafttreten der Regelung zum Austausch von Biosimilars versuchen die Kassen, Fakten zu schaffen: SpectrumK startet die erste Ausschreibung für Rabattverträge. Einziges Zuschlagskriterium ist der Preis. Die AG Pro Biosimilars warnt vor einem Unterbietungswettbewerb und fordert die Politik zum sofortigen Handeln auf.

Der Vertragsdienstleister Spectrum K hat auf Grundlage des jüngsten Beschlusses des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) die erste exklusive Ausschreibung für Biosimilars gestartet. Betroffen sind Wirkstoffe, die unter anderem in der Therapie von rheumatischen Erkrankungen eingesetzt werden:

  • Für Epoetin alfa oder Epoetin zeta gibt es zwei Fachlose, in denen jeweils zwei Zuschläge erteilt werden sollen.
  • Ein Exklusivzuschlag soll bei Teriparatid vergeben werden.
  • Bei Filgrastim sind zwei Lose mit je einem Partner geplant.
  • Zwei Firmen können im Fachlos für Etanercept unter Vertrag genommen werden.
  • Bei Infliximab ist ebenfalls ein Exklusivzuschlag geplant.

Bis 1. April müssen die Hersteller ihre Gebote einreichen, pro Unternehmen sind sieben Gebote zulässig. Die Verträge sollen 23 Monate laufen, ein Starttermin wird in der Ausschreibung nicht genannt. Die Unternehmen müssen sich verpflichten, sechs Monate nach Versendung der Vorabinformation und drei Monate nach Zuschlagserteilung die Lieferfähigkeit der Arzneimittel zu gewährleisten.

Beteiligt sind verschiedene Betriebskrankenkassen:

  • BKK B. Braun Aesculap
  • BKK Euregio
  • BKK EVM
  • BKK EWE
  • BKK exklusiv
  • BKK Herkules
  • BKK Linde
  • BKK Mahle
  • BKK Miele
  • Mobil Krankenkasse
  • BKK Pfaff
  • BKK Pfalz
  • BKK PwC
  • BKK ProVita
  • BKK Public
  • BKK Rieker, Ricosta, Weisser
  • BKK Salzgitter
  • BKK Scheufelen
  • BKK Technoform
  • BKK VDN
  • BKK VerbundPlus
  • BKK Werra-Meissner
  • BKK Wirtschaft & Finanzen
  • BKK Würth
  • Zf BKK
  • BKK24
  • Bosch BKK
  • Continentale BKK
  • Debeka BKK
  • energie-BKK
  • EY BKK
  • Karl Mayer BKK
  • mhplus BKK
  • mkk - meine krankenkasse
  • Novitas BKK
  • Pronova BKK
  • R+V BKK
  • Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau
  • TUI BKK
  • WMF Betriebskrankenkasse

„Nur der Billigste gewinnt“

Laut AG Pro Biosimilars etablieren die Kassen einen reinen Preiswettbewerb – nach dem Prinzip „nur der Billigste gewinnt“. Dabei werde im laufenden Pharmadialog zwischen Politik, Industrie und Krankenkassen gerade intensiv darüber beraten, wie die Kassen höhere Einsparungen durch Biosimilars erwirtschaften könnten und zugleich ein ruinöser Unterbietungswettbewerb verhindert werden könne. Ziel der Gespräche sei es, stabile Marktbedingungen zu schaffen, um Versorgungsengpässe und Standortschwächungen zu vermeiden – Entwicklungen, wie sie im Generikamarkt infolge massiven Preisdrucks bereits eingetreten seien.

So sei in mehreren Sitzungen des Pharmadialogs erörtert worden, wie regulatorische Rahmenbedingungen ausgestaltet werden müssen, um bei Biosimilars Versorgungssicherheit und Wettbewerb in ein tragfähiges Gleichgewicht zu bringen. Die nun gestartete exklusive Ausschreibung konterkariere all diese Bemühungen. Sie schafft Fakten, noch bevor politische Lösungen verabschiedet seien.

„Es ist genau das eingetreten, wovor wir immer gewarnt haben“, erklärt Dr. Christopher Kirsch, stellvertretender Vorsitzender der AG Pro Biosimilars. „Mit exklusiven Ausschreibungen und einem reinen Preisfokus droht auch im Biosimilar-Markt eine Entwicklung, die wir aus dem Generikabereich kennen – mit erheblichen Risiken für Grundversorgung und Produktionsstandort.“

Aus Sicht der AG Pro Biosimilars ist nun die Politik gefordert. Diese darf nicht länger zögern, sondern muss jetzt gesetzliche Leitplanken einziehen, um eine Schwächung diversifizierter Lieferketten, Standort und Versorgungssicherheit zu verhindern.

„Wenn Versorgungssicherheit und ein starker Standort politisch gewollt sind, müssen exklusive Rabattverträge für Biosimilars gesetzlich ausgeschlossen werden“, so Kirsch. „Andernfalls droht die nachhaltige Erosion eines Zukunftsmarktes, der für Patientinnen und Patienten sowie für den Biotech-Standort Europa von zentraler Bedeutung ist.“

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