Bayern

Huml erklärt Arzneimittel-Entsorgung

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Berlin -

Medikamente richtig entsorgen: Eine neue Informationskampagne soll in Bayern darüber aufklären, wie mit alten Arzneimitteln umgegangen werden soll. Beteiligt sind neben dem Umwelt- und dem Gesundheitsministerium auch die Apotheker. Sie sollen das vom Landesamt für Umwelt entwickelte Informationsmaterial an die Patienten bringen. Vorgestellt wurde das Projekt in der Stadtpark-Apotheke von Josef Kammermeier, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Bayerischen Apothekerverbands (BAV).

Anlass für die Aktion war zunächst der Gewässerschutz. Weil 47 Prozent der Deutschen Arzneimittel über Waschbecken und Toilette entsorgen, hatte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bereits im Februar die Internetplattform www.arzneimittelentsorgung.de entwickelt. Das bayerische Umweltministerium griff das Thema auf, holte das Gesundheitsministerium ins Boot und startete nun gemeinsam mit dem BAV eine eigene Kampagne.

Apotheker Kammermeier betonte: „Bei Fragen zu Risiken und Nebenwirkungen und der korrekten Entsorgung fragen Sie Ihre Apothekerin oder Ihren Apotheker.“ Generell empfiehlt er die Entsorgung über den Restmüll oder gegebenenfalls den Sondermüll, etwa bei zytotoxischen Substanzen. Rund 60 Prozent der Apotheken würden alte Arzneimittel annehmen und für die Patienten entsorgen, zumindest für Stammkunden. In manchen Apotheken sei dies aber aus organisatorischen Gründen nicht mehr möglich.

Vor diesem Hintergrund unterstütze der BAV gern die Initiative der beiden Ministerien. Alle Apotheker werden derzeit mit dem Material ausgestattet – Plakaten, Flyern und kleinen Faltkärtchen, die zum Arzneimittel in die Tüte gesteckt werden können. Ab der kommenden Woche soll das Material in fast allen bayerischen Apotheken erhältlich sein. Außerdem werden die Apotheker im Rahmen der Aktion als Ansprechpartner vor Ort benannt.

Für Kammermeier ist es ein besonderer Erfolg, dass die Apotheker in die Aktion eingebunden wurden. Die Kampagne wurde in seiner Apotheke in Regensburg vorgestellt – vor Ort waren nicht nur die beiden Ministerinnen, sondern auch ihr Stab und zahlreiche Journalisten. Die Apotheke musste Kammermeier für die Dauer des Besuchs schließen, die Patienten wurden über die Notdienstklappe versorgt. Das habe auch in der Straße für reichlich Aufmerksamkeit für das Thema gesorgt, so Kammermeier.

„Nie in die Toilette oder ins Waschbecken!“ – das ist die Hauptaussage der Kampagne. Den Patienten wird erklärt, dass die Medikamente mit dem Abwasser in die Kläranlagen gelangen und dort nicht vollständig abgebaut werden können. Dadurch belasten sie Bäche, Flüsse und Seen. Für die Entsorgung über den Restmüll werden zugeknotete, blickdichte Tüten empfohlen. Erklärt wird außerdem, dass Apotheken nicht verpflichtet sind, Altmedikamente anzunehmen.

Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) erklärte: „Arzneimittel dürfen nicht über das Abwasser entsorgt werden.“ Altmedikamente gehörten in der Regel in den Restmüll, wo sie für die Umwelt unschädlich gemacht würden. „Die richtige Entsorgung von Alt-Medikamenten ist ein wertvoller Beitrag zum Schutz unserer heimischen Gewässer“, so Scharf.

Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) ergänzte: „Wichtig ist zudem, dass Arzneimittel nicht in die Hände von Kindern kommen.“ Das gelte natürlich auch für Medikamente mit abgelaufenem Verfallsdatum. Tabletten und Kapseln sollten daher im Blister oder in der kindersicheren Verpackung belassen werden. „So wird auch die Gefahr verhindert, einen unkontrollierbaren 'Medikamentenmix' zu erzeugen“, so Huml. Gebrauchte Fertigspritzen oder Kanülen sollten in speziellen Dosen entsorgt werden.

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