In regelmäßigen Abständen schlachtet die Barmer seit zwei Monaten die Ergebnisse ihrer Studie zur Erreichbarkeit von Apotheken neu aus. Aktuell geht es um das Saarland und Rheinland-Pfalz: Auch hier seien die Apotheken „gut erreichbar“, denn für den größten Teil der Saarländer ist der Weg zur nächsten Apotheke laut den Daten höchstens sechs Kilometer lang.
Für 99 Prozent der Menschen im Saarland ist der Weg zur nächsten Apotheke nach Daten der Barmer höchstens sechs Kilometer lang. Für 80 Prozent der Bevölkerung sei die nächste Apotheke sogar nur maximal zwei Kilometer entfernt. „Die Erreichbarkeit von Apotheken ist für den Großteil der Menschen im Saarland gut“, erklärte die Krankenkasse unter Berufung auf eine Untersuchung des Barmer Instituts für Gesundheitssystemforschung (bifg).
Im Saarland gibt es aber auch regionale Unterschiede bei der Apothekendichte. Im Regionalverband Saarbrücken kommen auf jeden Einwohner im Schnitt 20,1 Apotheken in einem Radius von sechs Kilometern. Im Landkreis St. Wendel dagegen befinden sich pro Einwohner in einem Radius von sechs Kilometern im Durchschnitt nur 4,5 Apotheken. Landesweit liegt dieser Wert durchschnittlich bei 13,6 Apotheken.
In Rheinland-Pfalz haben 94 Prozent der Menschen einen höchstens sechs Kilometer langen Weg zur nächsten Apotheke. Für 65 Prozent der Bevölkerung sei die nächste Apotheke sogar nur maximal zwei Kilometer entfernt. „Die Erreichbarkeit von Apotheken ist für einen Großteil der rheinland-pfälzischen Bevölkerung gut“, so die Kasse unter Berufung auf ihre bifg-Daten.
In der Landeshauptstadt Mainz kommen demnach auf jeden Einwohner im Schnitt 48,7 Apotheken in einem Radius von sechs Kilometern. Im Landkreis Cochem-Zell dagegen befinden sich pro Einwohner im Durchschnitt nur 1,4 Apotheken innerhalb von sechs Kilometern Wegstrecke. Landesweit liegt dieser Wert durchschnittlich bei 11,0 Apotheken.
Die Apothekerkammer des Saarlandes hält dagegen: Die Ausführungen der Barmer seien „tendenziös und bewusst irreführend“, erklärt Geschäftsführer Carsten Wohlfeil auf Anfrage. Es sei zwar richtig, dass das Saarland traditionell eine gute gesundheitliche Versorgung vorzuweisen habe, dennoch habe sich trotz der im Bundesvergleich höchsten Apothekendichte die Zahl der Apotheken im Saarland von 353 im Jahr 2005 auf aktuell 249 Apotheken reduziert. Auch in diesem Jahr erwarte die Kammer fünf weitere Schließungen. Um diesen Abwärtstrend zu stoppen, sei eine Honorarerhöhung dringend geboten.
„Die Stellungnahme der Barmer besagt an sich nur, dass man erst einen Versorgungsmangel abwarten sollte, um politisch zu handeln. Das ist grob fahrlässig! Im Vorfeld kaputt gesparte Strukturen lassen sich im Nachgang nicht mehr wiederaufbauen“, betont Wohlfeil.
Auch für die Mitarbeitenden sei die Honorarerhöhung unablässig, denn mit der Erhöhung des Mindestlohns zum 1. Januar 2027 müssten auch die Tarifgehälter angepasst werden. Eine PKA verdiene im ersten und zweiten Berufsjahr 2375 Euro (Stand Tarifvertrag 1. Januar 2026), was einem Stundenlohn von 14.05 Euro entspricht. „Das sind genau 15 Cent (!) über dem ab dem 01. Januar 2026 geltenden gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 13,90 Euro!“ Der zum 01. Januar 2027 geltende gesetzliche Mindestlohn in Höhe von 14,60 Euro werde die finanzielle Situation der Apotheken nochmals dramatisch verschärfen. „Ich glaube nicht, dass Krankenkassenmitarbeiter zu diesem Lohn ans Aufstehen denken würden.“
APOTHEKE ADHOC Debatte