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ACA Müller: AOK will Apotheken im Würgegriff

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Berlin -

Gemeinsam mit dem Deutschen Apothekerverband (DAV) hat die AOK Baden-Württemberg kürzlich die Abschaffung der Importquote gefordert. Diese sei längst nicht mehr zeitgemäß. Dagegen wendet sich jetzt der Arzneimittelimporteur ACA Müller: Die Kassen suchten nur ein Instrument, um die Apotheken in den „Würgegriff“ zu bekommen.

Seit Jahren schützten Apotheken mit der Abgabe von Reimporten nicht nur das Gesundheitssystem vor einer weiteren finanziellen Überlastung. Vielmehr noch schützen sich die Apotheken selbst vor einem weiteren Zugriff durch die Krankenkassen, so ACA-Vorstand Arne Nielsen.

Die jüngsten Forderungen der AOK nach einer Abschaffung der Importe verdeutlichten, dass „die Kasse stattdessen nur ein alternatives Instrument suchen wird, um die Apotheken in den Würgegriff zu nehmen“. Nielsen: „Arzneimittel-Importe haben sich in der Apotheke und beim Patienten mehr als bewährt. Dass die AOK das ändern will, verdeutlicht nur eins: Sie will noch mehr von der ohnehin geringen Marge der Apotheken abschneiden. Das stellt die Arzneimittelversorgung auf den Kopf, deshalb muss diese Strategie von der Politik durchkreuzt werden!“

„Die bestehende Vorgabe, mindestens 5 Prozent des Umsatzes mit Fertigarzneimitteln durch Importe zu bestreiten, ist längst nicht mehr zeitgemäß“, hatten AOK und DAV in einer gemeinsamen Mitteilung argumentiert. Die Importquote bedeute enormen bürokratischen Aufwand und gefährde die Arzneimittelsicherheit für die Patienten, hieß es weiter.

Zudem erzeuge sie in anderen Ländern Lieferengpässe für die heimische Bevölkerung. Die Einsparungen, die damit für die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) erzielt würden, fielen weit hinter die Volumina zurück, die mit anderen Instrumenten erreicht würden. Allein die Rabattverträge erlösen mit 3,6 Milliarden Euro fast das 30-Fache dessen, was durch Quoten bei Importen erwirtschaftet werden konnte.

ACA Müller hält dem entgegen, dass die über diesen Umweg geplante Margenkappung eine weitere Verschlechterung der Ertragssituation nach sich ziehen werde und damit weitere Apothekenschließungen und eine Verschlechterung der Arzneimittelversorgung der Menschen zur Folge haben werde. Davon wäre dann insbesondere der ländliche Raum betroffen. „Die Kassen sollten sich lieber dafür einsetzen, die Situation beispielsweise bei den nicht lieferfähigen Arzneimitteln zu verbessern“, so Nielsen.

In den Apotheken seien Reimporte längst ein Teil der Arbeits- und Versorgungsrealität geworden. „Das Instrument ist beständiger und deutlich unkomplizierter als beispielsweise die Rabattverträge der Krankenkassen.“

Der Verband der Arzneimittelimporteure Deutschlands (VAD) hatte bereits genervt auf den DAV/AOK-Vorstoß reagiert, was ihm wiederum öffentliche Kritik von AOK-Chef Dr. Christopher Hermann eingebracht hatte.

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