Apothekeninsolvenz

Tipps vom Apothekenretter

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Berlin -

Dass Apotheken in eine wirtschaftliche Krise geraten, ist laut Detlef Bergner kein Einzelfall. Der Berater aus Magdeburg hat schon viele Pharmazeuten begleitet und Apotheken gerettet. Wichtig ist aus seiner Sicht, dass sich Betroffene rechtzeitig professionelle Hilfe suchen. Denn je länger vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens reagiert wird, desto größer sind die Erfolgsaussichten.

Bergner hatte in der DDR als Ökonom in staatlichen Betrieben gearbeitet, nach der Wende machte er sich als Handelsvertreter selbstständig. Seit 1993 hat er als Projektentwickler mit Apotheken zu tun; unter anderem betreute für die Anzag verschiedene Standorte in Globus- und Marktkauf-Filialen. Seit einigen Jahren ist er als Berater unterwegs – auf seiner Website hat er seine Referenzen in den Bereichen Neugründung, Nachfolgeregelung und Beratung zusammengetragen.

„Wir konnten in den letzten Jahren diverse Apotheken erfolgreich sanieren. In der Regel konnten wir eine Entschuldung in Größenordnungen von 200.000 Euro bis zu einer Million Euro realisieren“, so Bergner. In Nordbayern half er eine Apotheke zu sanieren, die noch eine Restschuld von circa 400.000 Euro bei verschiedenen Gläubigern hatte. „Die Apothekerin kann demnächst in Ruhe in Rente gehen und muss nicht damit rechnen, dass man ihr die Rente noch einmal pfändet“, so Bergner. Bei Berlin konnte er eine weitere Apotheke in einer ähnlichen Größenordnung entschulden, die jetzt noch einen Betrag von erheblich unter 100.000 Euro offen hat.

In Sachsen wurde ein Apotheker mit mehreren mehrere Apotheken und mehr als einer Million Euro Schulden saniert. Er führt sein Unternehmen jetzt erfolgreich weiter. Es gab auch Fälle, da mussten keine Gläubiger um Entlastung gebeten werden. Hier genügte es, die Strukturen und Prozesse neu zu regeln. Zu besseren Konditionen kann die Apotheke dann erfolgreich weitergeführt werden.

„Jedes Unternehmen kann in eine Schieflage geraten, die Ursachen für das Entstehen von Unternehmenskrisen sind vielschichtig“, so Bergner. Ist die Krise trotz aller Umsicht da, stünden zunächst kurzfristig wirkende Maßnahmen zu Kostensenkungen und Stabilisierung der Liquidität im Vordergrund. Ebenso wichtig wie die nüchterne Analyse betriebswirtschaftlicher Kennzahlen seien menschliche und psychologische Aspekte. Man müsse die enormen Belastungen und Ängste, die eine Krisensituation und die Ungewissheit der wirtschaftlichen Zukunft mit sich brächten, ausreichend berücksichtigen.

„Oft ist die Kraft des Unternehmers nicht mehr ausreichend, sich den notwendigen Überblick zu verschaffen oder die notwendigen Zusammenhänge zu benennen. Hier liegt unsere Ansatz und alles funktioniert auch nur dann, wenn die Betroffenen offen und ehrlich alle Probleme auf den Tisch legen – und gemeint sind wirklich alle“, berichtet der Insolvenzberater aus seiner Erfahrung.

Von grundlegender Bedeutung sei ein genauer Überblick. So gelte es, die oft Jahre zurückliegenden Gründe für eine Unternehmenskrise herauszufinden, Potenziale aufzudecken und auch das familiäre und private Umfeld in diese Betrachtungen einzubeziehen. Oft könne man in ersten Gesprächen mit Gläubigern, Lieferanten, Banken oder Kunden in der Regel schon eine deutliche Verbesserung der aktuell bestehenden Situation herstellen.

Das Augenmerk liege aber nicht nur auf einer erfolgreichen und stabilen Fortführung des Unternehmens, sondern vor allem auch auf dem Schutz des privaten Vermögens und die Abwendung von Haftungsrisiken. „Es gilt auch die Familie zu schützen“, so Bergner.

Auf bis zu 100 Seiten fasst der Insolvenzberater die aktuelle Lage der Krisen-Apotheke zusammen und entwirft das Sanierungskonzept: „Dabei ist es nicht unsere Absicht, den Betroffenen ihren Beruf oder ihre Aufgaben zu erklären – die fachliche Komponente spielt erfahrungsgemäß kaum eine Rolle als Ursache für eine drohende Krise. Vielmehr ist das Konzeptpapier unsere beste Waffe im Gespräch mit den Gläubigern, um mit diesen gemeinsam an der erfolgreichen Fortführung des Geschäftes zu arbeiten und die bestehenden Differenzen auszuräumen.“

Der Insolvenzberater sucht den Kontakt zu allen relevanten Ansprechpartnern und führt die Kommunikation. Denn der Druck, der sich teilweise über Jahre aufgebaut habe, sei als Faktor im Prozess der Sanierung nicht zu unterschätzen. Oft gebe es auch Fragen nach Fördermitteln und natürlich gibt diverse Unterstützung für eine solche Maßnahme. Über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) könne man dafür Fördermittel beantragen.

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