Baden-Württemberg

AOK: Tausche Abschlag gegen Importquote

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Berlin -

Die AOK Baden-Württemberg spricht sich weiterhin für die Abschaffung der Importquote aus. „Angesichts der marginalen Einsparungen durch die Quote dient diese im Wesentlichen den Reimporteuren – und wird dadurch zum wettbewerbswidrigen Marktdirigismus“, kritisiert Kassenchef Dr. Christopher Hermann.

Bereits im vergangenen September hatte sich die Kasse dafür ausgesprochen, die Importquote abzuschaffen. Einigen Marktteilnehmern per Quote und trotz marginaler Wirtschaftlichkeit einen Marktanteil zu garantieren, passe nicht in einen wettbewerblich geprägten Markt.

Ähnlich sieht man es in Stuttgart immer noch. Man halte die Erfüllung der gesetzlich vorgeschriebenen Quote für „überholt“. Denn die Quote garantiere den Reimporteuren einen Marktanteil im patentgeschützten Hochpreismarkt. Gerade dort sei eine Vorfahrtsregelung aufgrund eines Preisvorteils von 15 Euro pro Packung aber alles andere als zeitgemäß: „Bei den meisten innovativen Arzneimitteln liegt der Preis bei dem Hundertfachen oder mehr dieses Wertes“, so Hermann.

„Die Reimporteure insgesamt lagen 2014 mit ihrem Umsatz zum Apothekenverkaufspreis von rund 1,2 Milliarden Euro auf Rang 2 aller pharmazeutischen Anbieter im patentgeschützten, verschreibungspflichtigen GKV-Markt“, rechnet der AOK-Chef vor. „Der Marktführer allein belegte mit einem Umsatz von über 280 Millionen Euro Rang 11.“

Allerdings: Auswertungen der AOK für das Jahr 2014 hätten „nur noch einen marginalen wirtschaftlichen Nutzen der Quote“ ergeben. Die tatsächlichen Einsparungen lagen demnach bei 0,2 Prozent, gemessen an den Gesamt-Arzneimittelausgaben von rund 1,8 Milliarden Euro. Hinzu kamen Strafgelder von Apotheken, die die Quote nicht erfüllten, in Höhe von 270.000 Euro.

„Alles in allem eine Größenordnung, die leicht etwa mit einer minimalen Anhebung des Herstellerabschlags auf patentgeschützte Arzneimittel problemlos ausgeglichen werden könnte – und die mit Sicherheit auch gerne von den forschenden Herstellern kompensiert würde“, so Hermann.

Hinzu kommt für ihn, dass sich die Quote „wiederholt als Einfalltor für Fälschungen und gestohlene Ware herausgestellt“ habe. „Es geht auch darum, kriminelle Aktivitäten nicht auch noch per Quote zu befördern“, meint Hermann. Patientensicherheit bei der Arzneimittelversorgung müsse absolute Priorität genießen.

Zuletzt war die Importquote verstärkt in die Diskussion geraten: Professor Dr. Karl Broich, Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), hatte den Parallelimport als „Einfallstor für Fälschungen“ bezeichnet. Der Verband der Arzneimittelimporteure (VAD) warf ihm in einem offenen Brief „populistische Falschaussagen“ vor. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) will sich auf europäischer Ebene für eine Verbesserung des Rechtsrahmens für den Parallelhandel einsetzen.

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