SGLT-2-Hemmer

Warnhinweis: Zehenamputationen

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Berlin -

Die Bewertung der Hemmer des natriumabhängigen Glukosetransporters Typ 2 (SGLT-2) wird seit Monaten diskutiert. Nun hat der Pharmakovigilanzausschuss (PRAC) eine Empfehlung ausgesprochen: Künftig muss ein Warnhinweis zum Risiko für Zehenamputationen in die Produktinformation aufgenommen werden.

Die Langzeitstudie Canvas (Canagliflozin Cardiovascular Assessment Study) zeigte ein erhöhtes Risiko für die Amputation der unteren Extremitäten. Die Studie diente der Analyse von kardiovaskulären Endpunkten unter einer Behandlung mit Canagliflozin. Der SGLT-2-Hemmer ist zugelassen zur Behandlung von Diabetes Typ-2 in Einzel- oder Kombinationstherapie als Ergänzung zu Bewegung und einer Diät.

Canagliflozin, Dapagliflozin, Empagliflozin blockieren den Natrium-Glukose-Cotransporter-2 (SGLT-2) in der Niere. Sie erhöhen die Glukose-Ausscheidung über den Urin und senken so den Blutzuckerspiegel. In Deutschland sind aktuell keine Canagliflozin-haltigen Präparate auf dem Markt.

Bislang ist für Dapagliflozin und Empagliflozin kein erhöhtes Risiko für Amputationen bekannt und die Datenlage lückenhaft. Dennoch kann ein Gruppeneffekt der Wirkstoffe nicht ausgeschlossen werden. Der PRAC empfiehlt daher, einen Warnhinweis in die Produktinformationen aller SGLT-2-Hemmer aufzunehmen. Die Patienten, die mit den Wirkstoffen behandelt werden, sollten auf die Notwendigkeit einer routinemäßigen Fußpflege aufmerksam gemacht werden.

Für das in Deutschland nicht erhältliche Canagliflozin gelten zusätzliche Empfehlungen. Amputationen der unteren Extremitäten sollen als gelegentliche Nebenwirkung angegeben werden. Das heißt, dass ein Risiko bei ein bis zehn Patienten von 1000 besteht. Patienten mit einem erhöhten Risiko sollten überwacht und auf eine ausreichende Hydration hingewiesen werden. Treten Infektionen oder Geschwüre an den Füßen auf, sollte die Behandlung mit Canagliflozin nach Abwägung abgebrochen werden.

Laut EMA lag das Risiko für Amputationen der unteren Extremitäten im Rahmen der Canvas-Studie in der Verum- über der Placebogruppe: Bei 100 mg täglich gab es sieben Fälle bezogen auf 1000 Patientenjahre, bei 300 mg fünf Fälle. In der Kontrollgruppe waren es drei Fälle auf 1000 Patientenjahre. An der 2009 und 2010 in 13 europäischen Ländern durchgeführten Studie nahmen 4300 Diabetiker mit Herzproblemen teil. Sie wurden danach noch weitere 4,5 Jahre beobachtet.

In Deutschland hatte Janssen erst Invokana und später auch das Kombipräparat mit Metformin und Vokanamet, nach negativer Nutzenbewertung vom Markt genommen. Forxiga (Dapagliflozin) und Xigduo (Dapagliflozin/Metformin) ereilte dasselbe Schicksal. AstraZeneca und Bristol-Myers Squibb nahmen das Monopräparat zunächst vom Markt. Inzwischen konnten sich die Hersteller aber doch noch mit dem GKV-Spitzenverband auf einen Erstattungspreis einigen. Auch Jardiance (Empagliflozin) von Boehringer Ingelheim und Lilly wurde vom IQWiG kein Zusatznutzen bescheinigt. Das Präparat war im Mai 2014 zugelassen worden und ist ebenfalls für Patienten gedacht, die an Diabetes mellitus Typ 2 erkrankt sind. Boehringer hatte für verschiedene Kombinationsformen von Empagliflozin einen Zusatznutzen unterschiedlichen Ausmaßes postuliert. Der IQWiG konnte das nicht bestätigen, da der Hersteller keine relevanten Studien beibrachte.

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