Therapieresistente Depression: Wenig Evidenz

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Berlin - Depression als Volkskrankheit: Laut einer Umfrage kommen depressive Verstimmungen in Deutschland deutlich häufiger vor als im EU-Durchschnitt. Auch die therapieresistente Depression spielt eine Rolle. Die Behandlungsoptionen sind begrenzt und darüber hinaus wenig erforscht. Gewisse Vorgehensweisen trifft man im Praxisalltag immer noch an, obwohl jegliche Evidenz fehlt.

Die Behandlungsmöglichkeiten bei der therapieresistenten Depression sind begrenzt. Nicht alles, was Mediziner in der Praxis anwenden, basiert auf Evidenz, so das Fazit von Professor Dr. Mazda Adli, Leiter des Forschungsbereichs für affektive Störungen an der Klinik für Psychiatrie an der Charité in Berlin. Mit der Eingangsfrage „Schwer behandelbare Depression – Wo stehen wir und was brauchen wir?“ hat der Chefarzt im Rahmen eines Fachpressegesprächs von Aristo nicht nur Therapieoptionen aufgezeigt, sondern auch deutlich gemacht, dass eine breite Evidenz fehlt und in der Therapie dieser Patienten „Try & Error“ weiterhin an der Tagesordnung ist.

Depression als Volkskrankheit

8,3 Prozent der Deutschen, also rund sechs Millionen Personen, leiden an einer Depression. „Jeder achte Mann und jede vierte Frau sind einmal im Leben von einer depressiven Episode betroffen.“ Adli verweist darauf, dass rund 80 Prozent aller depressiven Erkrankungen vom Hausarzt behandelt werden. Der erste Therapieversuch ist selten erfolgreich, so der Mediziner. Der Anteil der nicht-remittierten Patienten liegt nach dem ersten Therapieversuch bei bis zu 70 Prozent. Auch nach dem dritten Versuch liegt der Anteil noch bei 15 Prozent. Betroffene mit ängstlichen Depressionen sprechen häufiger weniger gut auf die Medikation an als Menschen mit anderer Ausprägung.

Dosissteigerung – nicht bei SSRI

„Stellt sich innerhalb des ersten Therapieversuches keine Besserung ein, dann versuchen viele Mediziner eine bessere Wirksamkeit zunächst über eine Dosissteigerung zu erreichen“, so Adli. Nach drei Wochen ohne Besserung sinke die Wahrscheinlichkeit eines therapeutischen Ansprechens auf unter 10 Prozent. Somit sollte nicht zu früh aufdosiert werden. Eine Dosissteigerung ist jedoch nicht bei allen Wirkstoffgruppen sinnvoll. Bei den trizyklsichen Antidepressiva wie Amitriptylin und Doxepin kann eine höhere Dosierung zu einem Behandlungserfolg führen. Gleiches gilt für die Gruppe der MAO-Hemmer. Bei den selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern, wie Fluoxetin und Citalopram, gibt es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass eine Dosissteigerung zu einem Therapieerfolg führt. „Interessant ist, dass aber genau die SSRI in der Praxis am meisten aufdosiert werden. Es liegt keine Evidenz vor, dass die höhere Dosis besser wirkt“, gibt der Mediziner zu bedenken.

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