Minoxidil, Finasterid, Dutasterid

Metaanalyse: Das hilft wirklich bei Haarausfall

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Berlin -

Haarausfall gehört für viele Frauen und Männer immer noch zu den Tabuthemen. Die Ursachen können unterschiedlich sein. Eine bei Männern sehr verbreitete Form des Haarverlustes ist die androgenetischen Alopezie. Das Krankheitsbild kann lokal oder systemisch behandelt werden. Eine neue Metaanalyse vergleicht Minoxidil, Finasterid und Dutasterid.

Bei der androgenetischen Alopezie entsteht der Haarausfall vereinfacht gesagt durch die männlichen Hormone. Oftmals wird diese Form des Haarverlustes auch als anlagebedingter Haarausfall bezeichnet. Auch wenn das Hormon Dihydrotestosteron (DHT) eine wichtige Rolle bei der Entstehung spielt, handelt es sich beim androgenetischen Haarausfall nicht um eine Hormonstörung.

Betroffene besitzen Haarwurzeln, die sehr empfindlich auf DHT reagieren. Die Annahme, dass alle Männer mit Glatze besonders viel Testosteron haben, kann demnach nicht pauschal getroffen werden. Darüber hinaus enthalten diese Haarwurzeln eine größere Menge des Enzyms 5-alpha-Reduktase. In der Folge wird noch wird mehr DHT produziert. Die Wachstumsphase verkürzt sich. Nach dem Ausfallen kommen die Haare meist dünner wieder, irgendwann bleiben sie aus. Klassisch beginnt der androgenetische Haarausfall mit der „M-Form“ – Geheimratsecken gelten als Leitsymptom.

Am häufigsten verordnen Ärzt:innen die Wirkstoffe Minoxidil, Finasterid und Dutasterid. Minoxidil kommt dabei lokal auf der Kopfhaut zur Anwendung. Ursprünglich wurde der Wirkstoff bei arterieller Hypertonie angewendet. Lokal auf die Kopfhaut aufgetragen kann er die Nährstoffversorgung der Haarwurzeln und dadurch das Haarwachstum verbessern. Die Anwendung muss dauerhaft erfolgen. Die 5α-Reduktase-Hemmer Finasterid und Dutasterid werden oral als Tablette oder Kapsel eingenommen. Bei Finasterid sind sowohl Lifestyle-Medikamente mit der Indikation Haarausfall als auch Präparate zur Anwendung bei benigner Prostatahyperplasie am Markt. Dutasterid kann aktuell nur off-label eingesetzt werden.

Metaanalyse vergleicht 3 Wirkstoffe

Mit Hilfe einer Metaanalyse und eines systematischen Reviews der vorhandenen Literatur verglichen Forscher:innen die Wirksamkeit von Minoxidil, Finasterid und Dutasterid in verschiedenen Dosierungen. Untersucht wurden:

  • Dutasterid: 0,5 mg pro Tag (oral)
  • Finasterid: 1 mg pro Tag (oral)
  • Finasterid: 5 mg pro Tag (oral)
  • Minoxidil: 0,25 mg pro Tag (oral)
  • Minoxidil: 5 mg pro Tag (oral)
  • Minoxidil: 2 Prozent (lokal)
  • Minoxidil: 5 Prozent (lokal)

23 Studien konnten in die Analyse einbezogen werden. Das mittlere Alter der Patienten lag bei 22,8 Jahren. Interessanterweise zeigte sich nach sechs Monaten der größte Anstieg der Gesamthaarzahl beim bislang nur im Off-Label-Bereich eingesetzten Wirkstoff Dutasterid bei einer täglichen Einnahme von 0,5 mg. Damit war der Wirkstoff signifikant wirksamer als Finasterid. Den größten Anstieg der Gesamtanzahl von Terminalhaaren konnte nach sechs Monaten nach der regelmäßigen Einnahme von Minoxidil (5 mg/Tag) gezeigt werden. Der Effekt von Minoxdil war der Wirksamkeit von Finasterid signifikant überlegen.

Erst nach 48 Wochen zeigte Finasterid eine Überlegenheit gegenüber den anderen Wirkstoffen. Nach einem Jahr verzeichneten die Forscher:innen den größten Anstieg der Gesamthaarzahl bei Fiansterid (5 mg/Tag). Den größten Anstieg der Terminalhaarzahl beobachteten die Wissenschaftler:innen in diesem Zeitraum ebenfalls bei Finasterid, jedoch in der geringeren Dosierung von 1 mg/Tag.

Lifestyle mit Nebenwirkungen

Finasterid (Propecia, Organ und Generika) zur Anwendung bei männlichem Haarausfall ist bei den Arzneimitteln zur Erhöhung der Lebensqualität einzuordnen. Als Lifestyle-Medikament findet sich Finasterid auf der Verordnungsausschluss-Liste des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Die Liste der Nebenwirkungen unter Einnahme von Finasterid ist zwar nicht übermäßig lang, die genannten unerwünschten Ereignisse können jedoch das Leben der Anwender stark beeinträchtigen. So kommt es mit der Häufigkeitsangabe „gelegentlich“ zu einer verminderten Libido, erektiler Dysfunktion und Ejakulationsstörungen mit vermindertem Ejakulatvolumen. Ebenfalls gelegentlich kommt es zum Auftreten einer Depression – teilweise mit Suizidgedanken.

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