Für Salbutamol in pulmonaler Darreichungsform besteht weiterhin ein Versorgungsmangel. Importe sichern hierzulande den Bedarf und einige Gestattungen wurden bereits bis zum Jahresende verlängert. Zudem haben laut Beirat für Liefer- und Versorgungsengpässe Fachgesellschaften den Hinweis geäußert, dass gemäß den gültigen Leitlinien Cortison-haltige Präparate bei Asthma bronchiale angewendet werden sollten. Eine entzündungshemmende Basistherapie kann den Salbutamolbedarf mindern. Ziel ist es nicht, Cortison anstelle von Salbutamol zu geben, sondern die Patient:innen mit der Basistherapie zu behandeln und die Anzahl von Asthmaanfällen zu reduzieren.
Lieferengpässe bei Salbutamol-Sprays sind beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) von verschiedenen Herstellern gemeldet – und zwar bereits seit Februar 2023. 1A Pharma und Hexal haben vor Kurzem die Lieferausfälle bis voraussichtlich Ende Februar verlängert. Infectopharm hat derzeit für Bronchospray Novo den 20. März als mögliches Enddatum des Engpasses gemeldet.
„Die stattfindenden kontinuierlichen Importe stellen aktuell die bedarfsgerechte Verfügbarkeit mindestens bis Februar 2026 sicher“, heißt es vom BfArM. Zudem werde parallel intensiv an der Wiederherstellung der Regelversorgung gearbeitet.
Glenmark hatte Ende 2025 mitgeteilt, dass die Importerlaubnis für Salbutamol aus Brasilien bis 31. Dezember 2026 verlängert wurde. Andere Unternehmen halten für Importe eine zeitliche Befristung bis Ende März. Dazu gehört Pharma Gerke für Sultanol in spanischer Aufmachung.
Das BfArM hatte empfohlen, wenn möglich zudem auf Pulverinhalatoren auszuweichen. Darüber hinaus komme von den Fachgesellschaften der Hinweis, dass gemäß den gültigen Leitlinien Cortison-haltige Präparate bei Asthma bronchiale angewendet werden sollten.
Das Ziel sei es dabei nicht, Cortison anstelle von Salbutamol zu geben, sondern die Patient:innen mit der Basistherapie entzündungshemmend zu behandeln, die Anzahl von Asthmaanfällen zu reduzieren und somit auch den Einsatz des Akutsprays zu mindern. Ein stärkerer Einsatz von inhalativem Corticosteroid (ICS)/Formoterol bei geeigneten Asthma-Patient:innen habe positive Effekte auf den Versorgungsengpass mit Salbutamol und die CO2 Bilanz, heißt es von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP).
Die DGP hat das BfArM über den Sachverhalt informiert. So könne eine Bedarfstherapie in jeder Therapiestufe bestehend aus einemkurz wirksamen Betamimetikum (SABA) oder der Fixkombination aus ICS und Formoterol, den Einsatz von Salbutamol mindern. „Es wäre wünschenswert, wenn gerade auch in den niedrigeren Therapiestufen auf ICS/Formoterol statt auf Salbutamol zurückgegriffen würde“, heißt es von der DGP.
Die Studienlage sei eindeutig, dass ICS/Formoterol auch als reine Bedarfstherapie einer Bedarfstherapie mit Salbutamol bezüglich der klinischen Outcomes überlegen ist. Formal ist jedoch ICS/Formoterol als reine Bedarfstherapie nicht zugelassen – wohl aber als Dauer- und Bedarfstherapie.
„Leider ist es häufig so, dass auch Patienten mit einer ICS/Formoterol Therapie dennoch Salbutamol als Bedarfstherapie verordnet bekommen“, so die DGP. Dies entspreche nicht den Empfehlungen und sei dann „ohne Indikation“. „Wenn diese unnötige Verordnung eingespart werden könnte, würde der Salbutamolmangel möglicherweise schon wesentlich abgeschwächt.“
Fenoterol ist neben Salbutamol für Asthmatiker:innen das einzige in Frage kommende SABA. Insbesondere Patient:innen die eine ICS/LABA Kombination erhalten, die nicht Formoterol enthält sind aktuell noch auf Salbutamol als Bedarfstherapie angewiesen, macht die Fachgesellschaft deutlich.
Unabhängig von den Überlegungen zu den Wirkstoffen geht die DGP davon aus, dass sich am Verschreibungsverhalten von Salbutamol als Trockenpulver wahrscheinlich noch nicht viel geändert hat. Dies wäre jedoch aus Klimaschutzgründen zu befürworten. „Die konservativste Berechnung ist, dass ein Dosieraerosol Salbutamol mit 200 Hüben in etwa 100 km Autofahrt entspricht. Bei den allermeisten Patienten mit Asthma wäre die Anwendung von Salbutamol als DPI problemlos möglich.“ Bei schwerer COPD sehe das anders aus.
Auch mit Blick auf eine Feuchtinhalation wäre für einige Zwecke Ipratropiumbromid an Stelle von Salbutamol einsetzbar. Diese Überlegungen setzen aber voraus, dass man den Versorgungsmangel etwas genauer spezifizieren kann und auch die Darreichungsform mit einbezieht, so die Expert:innen. Zudem beziehen sich die Überlegungen hauptsächlich auf erwachsene Asthmapatient:innen – bei Kindern und Jugendlichen gelten andere Voraussetzungen.
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