Kegelschnecken-Gift statt Morphium

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Berlin -

Im Bereich der Schmerzbehandlung wird immer nach wirksamen Alternativen gesucht. Wissenschaftler der Universitäten Wien und Queensland fanden nun Hinweise auf einen neuen Ansatz: Das Gift der Kegelschnecken soll potenter in seiner Wirkung sein als Morphin. Mit Ziconotid ist bereits ein Vertreter auf dem Markt. Die weitere Erforschung könnte zu neuen Schmerztherapien bei chronischen Schmerzen führen.

Bei den Kegelschnecken handelt es sich um fleischfressende Meeresschnecken. Um ihre Nahrung zu fangen und Feinde abzuwehren, verwenden sie ein Nervengift, welches über eine Art Harpune in die Opfer injiziert wird. Dabei sollen die Schnecken Menge und Zusammensetzung des Giftes selbst kontrollieren können. Die im Gift enthaltenen Conotoxine, welche vor allem zur Verteidigung eingesetzt werden, sollen sich zudem als hochwirksames Schmerzmittel eignen. Conotoxine sind auf das Verursachen von Schmerz ausgerichtet. Daher versuchten die Forscher, den genauen Wirkmechanismus zu entschlüsseln.

Sie fanden heraus, dass bestimmte Peptide eine wesentliche Rolle spielen, die in Wechselwirkung zueinander stehen und so verschiedene Peptid-Gemische erzeugen. Je nach Zusammensetzung besitzen sie auch verschiedene Auswirkungen auf das Nervensystem des Menschen: So können beispielsweise Ionenkanäle blockiert oder aktiviert werden. Diese Eigenschaft könnte in der Schmerztherapie von Nutzen sein, da Ionenkanäle ein Angriffspunkt für die Schmerzweiterleitung darstellen. Die Conotoxine hätten mit ihrer Wirkung und Selektivität die Schmerzforschung revolutioniert und das Verständnis über die Schmerzreizleitung grundlegend verbessert, erklärten die Wissenschaftler. Sie wollen nun die genauen Eigenschaften der unterschiedlichen Rezeptor-Subtypen klären.

Die neue Generation der Conotoxin-Wirkstoffe soll schon an den vorgelagerten Spinalganglien ansetzen. Damit könnten die Schmerzen bereits abgefangen werden, bevor sie ins Rückenmark weitergeleitet werden.

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