Plättchenbildung aktiviert durch Botenstoffe

Grippevirus: Thrombosegefahr durch Zytokinsturm

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Berlin -

Forscher:innen des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) fanden gemeinsam mit Wissenschaftler:innen aus Heidelberg heraus, dass auch eine auf die Lunge beschränkte Infektion mit Grippeviren das Thromboserisiko erhöhen kann. Die vermehrte Bildung von Blutplättchen wird durch Botenstoffe aktiviert, die einen regelrechten Zytokinsturm auslösen können. Bekannt sind diese Vorgänge auch aus schweren Covid-19-Verläufen.

Untersucht wurde der Einfluss einer Influenzainfektion auf die Blutbildung von infizierten Mäusen. Besonders betrachteten die Forscher:innen die Differenzierung und Zellzyklusaktivierung in den ersten Tagen nach der Ansteckung. Zunächst nahm die Anzahl der Thrombozyten während der ersten drei Tage ab. Im weiteren Verlauf stiegen die Werte jedoch signifikant an und lagen schnell über dem physiologischen Level, was einer Thrombozytose gleichkam.

Unreife Thrombozyten

Die häufigsten Ursachen einer solchen Thrombozytose sind normalerweise Gewebeschäden nach großen chirurgischen Eingriffen oder Unfällen und Verletzungen. Auch chronische Entzündungen oder schwerwiegende Infektionen können eine Thrombozytose auslösen. Als Reaktion auf solche Ereignisse setzt der Körper Botenstoffe frei, die die Entstehung von Thrombozyten fördern. Bei den infizierten Mäusen waren diese schnell produzierten Thrombozyten auffällig: Sie hatten ein unreifes Erscheinungsbild und waren schneller aktivierbar. Bereits zwei Tage nach der Infektion mit den Influenzaviren befanden sich mehr Blutstammzellen im Reifeprozess als zuvor. Je mehr Viren die Lunge der Mäuse befallen hatten, umso intensiver fand die Aktivierung der Blutstammzellen statt.

Lungenembolie durch Gerinnsel

Die Forscher:innen wiesen durch In-vitro-Lineage-Tracing und Knochenmarkstransplantationen nach, dass sich eine Teilmenge von Blutstammzellen nach einer Influenzainfektion rasch im Knochenmark vermehren. Die Unreife und das Überspringen mehrerer Vorläuferstadien in der Entwicklung der Blutplättchen führt dazu, dass das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln in der Lunge erhöht werden kann. Diese Gerinnsel können durch Verstopfen der feinen Kapillaren im Lungengewebe eine Embolie auslösen. Ein schnelles Handeln ist essenziell, denn es droht Lebensgefahr durch eine Unterversorgung von Sauerstoff.

Schwere Verläufe von Influenza-und Covid-Infektionen sind mit einer Entgleisung des Immunsystems beziehungsweise einem Zytokinsturm verbunden. Die übermäßige Ausschüttung von Botenstoffen (Zytokinen) und die Schädigung der Lungenzellen kann zu Gefäßleckagen führen und das Auftreten von Thrombosen begünstigen.

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