WDR: „Wieder Pflanzengifte in Tee nachgewiesen“ | APOTHEKE ADHOC
Pyrrolizidinalkaloide

WDR: „Wieder Pflanzengifte in Tee nachgewiesen“

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Berlin -

Immer wieder geraten Tees in Verruf, weil giftige Pyrrolizidinalkaloide (PA) nachgewiesen werden. Das zeigen Analysen von Öko-Test und Stiftung Warentest, die sowohl Produkte aus der Apotheke als auch die des Lebensmitteleinzelhandels genauer unter die Lupe nehmen. Jetzt mischt der WDR mit: Die im Auftrag des Magazins „Markt“ durchgeführten Laboruntersuchungen zeigen, dass etwa die Hälfte der stichprobenartig ausgewählten Tees aus Supermärkten und Discountern mit PA belastet sind.

PA, genauer die Stoffwechselprodukte von PA, wirken karzinogen sowie hepatotoxisch und können zu Leberschädigungen führen. In hohen Dosierungen kann die Einnahme sogar tödlich enden. Die Alkaloide kommen natürlicherweise vor allem in Borretsch, Beinwell und Huflattich vor und dienen als Schutz vor Fressfeinden. In den Tee gelangen die giftigen Stoffe über das PA-haltige Kreuzkraut als Verunreinigung in die Ernte. Nach der Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sollte ein 70 kg schwerer Erwachsener maximal 0,49 µg PA pro Tag aufnehmen. Einen gesetzlichen Grenzwert gibt es bislang nicht.

„Markt“ wollte nun kürzlich wissen: Wie gefährlich ist Teetrinken? Um dies herauszufinden, beauftragte das Magazin ein Labor, das 13 Produkte analysierte. Dabei wurden 15 Gramm Tee mit einem Liter Wasser aufgegossen. Die Tester legten pro Beutel 3 Gramm Tee zugrunde, um eine Vergleichbarkeit zu erzielen. Untersucht wurden Kamillen-Kräutertees von Aldi, Edeka, Lidl, Rewe, Alnatura, Meßmer und Teekanne.

Der Analyse zufolge überschritt der Kamillentee von Teekanne mit rund 1,7 µg PA pro Liter Tee die empfohlene tägliche Aufnahmemenge bei Erwachsenen um das Dreifache, bei Kindern wurde sogar um das Zehnfache. Bei der Rewe-Eigenmarke Ja! wurden etwa 0,17 µg pro Liter nachgewiesen. Positiv schnitten die Kräutertees von Aldi und Lidl sowie die Kamillentees von Aldi, Lidl, Alnatura, Meßmer und Edeka ab. Diese waren nicht mit PA belastet. Professor Dr. Reiner Wittkowski vom BfR sagt im Beitrag: „Wir sind der Auffassung, dass Vielverzehrer, die viel hochbelasteten Tee trinken, mit gesundheitlichen Konsequenzen rechnen müssen.“

Die Kräutertees von Alnatura und Edeka konnten die Tester auch nicht überzeugen, da sie jeweils rund 0,2 µg PA pro Liter Tee nachgewiesen haben. Das Produkt von Teekanne schnitt wieder schlecht ab, da pro Liter Tee 0,84 µg festgestellt werden. Der Kräutertee von Meßmer enthielt 0,75 µg pro Liter. „Die akzeptable tägliche Aufnahmemenge wird in beiden Fällen bei Erwachsenen beim Konsum eines Liters Tees um das 1,5-Fache überschritten, bei Kindern etwa um das Fünffache.“ Lege man den Orientierungswert der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zugrunde, sei der Wert als unkritisch einzustufen. „Das BfR will seine Empfehlung künftig an die Einschätzung der EFSA anpassen.“

Der Grenzwert für PA ist laut WDR ein Diskussionsthema, denn der BfR und die EFSA beziehen sich bei ihrer Einstufung auf unterschiedliche Werte. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) erklärte zuvor, dass man „eine Festlegung zulässiger Höchstgehalte auf EU- und auf internationaler Ebene“ anstrebe. „Doch seitdem hat sich offenbar nichts getan“, so das Magazin.

Auf Anfrage wurde dem Magazins mitgeteilt, dass die Diskussionen zur Festsetzung von Höchstgehalten zu PA in verschiedenen Lebensmitteln auf EU-Ebene noch andauere. In Deutschland hätten die Länder laut dem Ministerium zwar Eingriffswerte für verschiedene Tees festgelegt, um eine Einheitlichkeit in der Lebensmittelüberwachung sicherzustellen. Auf internationaler Ebene stehe eine abschließende Risikobewertung jedoch noch aus.

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