„Ich suche nur noch für die Krankenkasse“

Protestaktion: Ode an Karl Lauterbach

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Berlin -

Weil sie nicht zur Protestkundgebung nach Berlin fahren kann, hat Tina Beitz, Inhaberin der Stern Apotheke Kistenpfennig in Mainz, zusammen mit ihrem Apotheker eine Ode an Karl Lauterbach (SPD) verfasst und fragt: „Sind die Apotheken erstmal zu, wer versorgt dann die Patienten etwa du?“ Seit Montag hängt das provokante Gedicht als Plakat in mehreren Apotheken – sogar über den Landeskreis Rheinland-Pfalz hinaus.

Als Plakat hängt die Ode an Karl seit Montag in vielen Apotheken-Schaufenstern.Foto: Tina Beitz

Aufgrund des Personalmangels kann Beitz nicht zur Protestkundgebung der Freien Apothekerschaft fahren. Weil sie sich trotzdem über die aktuellen Zustände ärgert, will sie zu Hause aktiv werden. Zusammen mit ihrem Kollegen hat sie sich etwas überlegt, um sich Gehör zu verschaffen: „Mein Apotheker kann wunderbar dichten und hat eine Ode an Karl Lauterbach verfasst.“

„Wir haben Plakate gedruckt und aufgehängt“, so Beitz. Die Kund:innen seien durchweg interessiert, bleiben stehen und fragen nach. „Der Text greift relativ vereinfacht das Problem der Apotheken auf, so kann man gut ins Gespräch mit den Patienten kommen und erklären, was eigentlich dahintersteckt“, so die Apothekerin. Die Plakate wurden an Kolleginnen und Kollegen auch in anderen Städten verteilt. Seit Montag hängen sie in Schaufenstern in München, Schlangenbad und einigen hessischen Offizinen aus.

Nur noch am Computer

Beitz ärgert sich über die derzeitigen Umstände im Apothekenalltag: „Momentan schaue ich eigentlich nur noch für die Krankenkassen in den Computer, nicht des pharmazeutischen Wissens wegen.“ Beitz bezieht sich dabei auf die massiven Lieferengpässe und die immer größer werdenden Schwierigkeiten, die Patient:innen zu versorgen. „Wir schicken niemanden einfach in die nächste Apotheke oder zurück zur Arztpraxis. Wir sind innerhalb von Mainz unter uns Apotheken sehr gut vernetzt und versuchen, alles möglich zu machen.“

Beitz und ihr mittlerweile kleines Team würden permanent nach Verfügbarkeiten schauen und bestellen, was noch zu bekommen ist. „Manchmal sitze ich auch nachts vor dem Computer und rufe die Verfügbarkeiten des Großhandels ab“, so die Apothekerin. Auch die beiden noch verbliebenen Kolleg:innen haben die ein oder andere Überstunde geschrieben, damit der Betrieb aufrechterhalten bleiben kann.

Permanente Großhandelsabfrage

„Wir waren ursprünglich mal sechs Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, und ich hatte nie Personalnot, bis dann zwei Angestellte in Elternzeit gingen und meine PTA sich in die Industrie verabschiedete.“ Bislang sei ihr aber die Versorgung der Patient:innen trotzdem noch gut gelungen, und einige Alternativen zu nicht lieferbaren Antibiotika seien sogar an Lager. „Das gelingt uns nur, weil wir ununterbrochen den pharmazeutischen Großhandel abfragen.“

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