Stress wegen Arzneimittel-Austausch

Pöbeleien vor der Klappe: Polizei hilft Notdienst-Apothekerin

, Uhr
Berlin -

In Ingolstadt hat es während des Notdiensts der Apotheke im Medi-IN-Park Aufruhr gegeben. Ein alkoholisierter Mann wollte ein Privatrezept einlösen, habe jedoch kein Geld bei sich gehabt, sagt die diensthabende Approbierte Marianne Köhler. Er schnorrte bei der Kundschaft und regte sich letztlich auf, weil das Beruhigungsmittel wegen Nichtverfügbarkeit ausgetauscht worden sei. Am Ende half nur noch die Polizei.

Köhler ist Notdienst-erfahren, doch einen derartigen Vorfall erlebte die 62-Jährige in ihrer Berufslaufbahn noch nicht. Sie war wieder einmal zur Nachtschicht eingeteilt, als der Mann mit einem Privatrezept vor der Klappe stand. „Allein vom Äußeren her habe ich gleich gemerkt, dass hier Vorsicht geboten ist, sagt sie. „Er hat gleich gesagt, dass er kein Geld hat“, sagt die angestellte Apothekerin. Nachdem sie ihm nichts abgegeben hatte, habe er begonnen, die andere Kundschaft um Geld zu bitten.

Apothekenkundin will alkoholisiertem Mann helfen

Dies sei etwa eine Stunde so gegangen, bis sich tatsächlich eine Kundin bereiterklärt habe, die rund zwölf Euro zu übernehmen. Beim Blick in die Verfügbarkeiten stellte Köhler jedoch fest, dass die aufgeschriebene Wirkstärke nicht auf Lager war. Sie empfahl eine niedrigere Dosierung und dafür eine doppelte Tabletteneinnahme. Gemeinsam mit der Käuferin versuchte sie, dem Mann die Situation zu erklären.

Er übernahm die ausgehändigte Packung, fing jedoch an, zu pöbeln und sich zu beschweren, wie Köhler sagt. „Das ging so weit, dass er andere Kunden belästigte und die Apotheke schlecht gemacht hat.“ Er habe sich „pöbelhaft“ und „uneinsichtig“ gezeigt. Aggressiv sei er nicht gewesen. Dennoch ging es Köhler zu weit, was vor der Apothekenklappe vor sich ging.

Polizei schreitet ein

Die Apothekerin forderte den Mann erneut auf, zu gehen, und drohte damit, die Polizei zu rufen. „Es baut sich ja bei einem ein Druck auf und es entsteht ein gewisses Hilflosigkeitsgefühl. Es war höchste Zeit, die Polizei zu rufen.“ Die Beamten hätten einen „super Job gemacht“. Sie sorgten dafür, dass der Mann den Platz verlassen habe. „Wir sind hier ein Ärztehaus und im Notdienst ist es sehr verwaist. Da ist es schon ein bisschen gruselig.“ Der Mann wurde von der Polizei in Gewahrsam genommen und schlief auf der Wache seinen Rausch aus. Ein Atemalkoholtest ergab laut Polizei einen Wert von knapp 2,3 Promille.

So ein Verhalten eines Kunden habe sie im Notdienst jedoch noch nie erlebt. Die Arbeit mit offener Tür sei unvorstellbar.

Guter Journalismus ist unbezahlbar.
Jetzt bei APOTHEKE ADHOC plus anmelden, für 0 Euro.
Melden Sie sich kostenfrei an und
lesen Sie weiter.
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz