Kommentar

Notdienst in Not

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Berlin -

Auf dem Land gibt es zu wenig Apotheken, daher ist die Belastung durch den Notdienst besonders hoch. Spätdienste sollen das Problem entschärfen, doch dafür ist keine Vergütung vorgesehen. Das Beispiel zeigt, welche tiefgreifenden strukturellen Probleme gelöst werden müssen.

Der Notdienst ist nur die Spitze des Eisbergs, doch er zeigt, wie groß die Diskrepanz im Apothekenmarkt ist. Mit der Notdienstpauschale sollte die Versorgung auch an jenen Standorten sichergestellt werden, in denen es keine Nachtschwärmer gibt, die ein gewisses Minimum am Umsatz bringen. Dass dabei nur Nacht-, aber keine Spätdienste berücksichtigt wurden, mag verständlich sein. Doch es verschärft das Problem nur noch.

Denn vielerorts müssen die Kammern längst nicht mehr nur den Notdienst organisieren, sondern auch die Interessen von Verbraucher:innen einerseits und dem eigenen Berufsstand andererseits in Einklang bringen. Zwar gibt es exotische Fälle wie die berühmten Inselapotheken, die seit jeher in permanenter Bereitschaft sind und dafür seit einigen Jahren mit nahezu sechsstelligen Pauschalen pro Jahr belohnt werden.

Andererseits müssen sich viele Inhaber:innen von Apotheken auf dem Land entscheiden, ob sie die Nacht regelmäßig in der Offizin oder aber auch in telefonischer Dauerbereitschaft verbringen wollen – oder ob sie als Kompromiss nur einen Spätdienst leisten und dafür nach derzeitiger Lage kein Geld erhalten.

Die Ampel hat bereits angekündigt, sich mit der Versorgung auf dem Land auseinandersetzen zu wollen und dabei auch neue Wege zu gehen. Wie das aussehen kann, ist aber noch vollkommen offen. Denn bisher scheiterten entsprechende Vorstöße daran, dass eine Förderung von wenig frequentierten Apotheken auf der grünen Wiese nicht zu vertreten ist, während eine Zentralisierung etwa an Kliniken das Problem nur verschärfen würde.

Auch in der Gesundheitspolitik ist der zunehmende Unterschied zwischen Stadt und Land eine besondere Herausforderung. Während in den Metropolen diverse Lieferdienste den Kund:innen bei Bedarf selbst noch das Nasenspray nach Hause liefern, lässt sich die Apotheke in den ländlichen Regionen kaum noch ohne Auto erreichen. Der Notdienst ist nur eine Baustelle von vielen im Apothekenmarkt.

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