Apotheker Christian Toll aus Angermünde hat seine Filialleitung verloren. Deshalb schloss er die Alte Apotheke. „Wenn ich genug Personal gehabt hätte, hätte ich sie weiterbetrieben“, sagt er. In dem Gebäude befand sich seit mehr als 400 Jahren eine Apotheke.
Der große Adler über der Tür erinnert noch an frühere Zeiten. Denn die Alte Apotheke wurde als Adler Apotheke betrieben. Auch in der DDR war der Betrieb nicht unterbrochen. In den historischen Räumen wurde ein pharmazeutisches Zentrum betrieben. Nach einem Besitzerwechsel wurde sie umbenannt.
Toll führte die Apotheke seit 2014. „Die Übernahme hatte sich kurzfristig ergeben“, sagt der Pharmazeut, der mit der Hirsch-Apotheke seit 1994 im Ort verwurzelt ist. Die Einrichtung habe ihm schon immer gefallen und der Betrieb als Filiale habe sich rentiert. „Alleine wäre es aber schwierig gewesen.“
Die größte Schwierigkeit ergab sich für Toll zuletzt, weil seine Filialleiterin gekündigt hatte. „Ich habe keinen Ersatz gefunden“, sagt er. Denn eigentlich hätte er die Apotheke noch weiterbetrieben. „Durch den Verbund zwischen Hauptapotheke und Filiale konnte ich zum Beispiel Einkaufsvorteile nutzen. Es hat sich noch gerechnet.“
Jetzt läuft der Mietvertrag aus. „Ich weiß, dass es Interessenten für die Räume aus anderen Branchen gibt“, sagt der Apotheker. Dass andere Kolleginnen und Kollegen zurückhaltend bei Übernahmen sind, kann er verstehen. „Die wirtschaftlichen Aussichten und Prognosen sind ja nicht rosig.“ Die Kosten stiegen und die Luft werde immer enger. „Es gibt keine Planungssicherheit für junge Kollegen.“
Er selbst freut sich, dass er in seiner Hauptapotheke jetzt zwölf Angestellte beschäftig, vier davon aus der Alten Apotheke. Im Alter von 60 Jahren denkt er selbst noch nicht ans Aufhören. Allerdings könne er sich nicht vorstellen, viel länger als 65 zu arbeiten. „So viel Spaß macht es nicht mehr. Das Fachliche rückt immer mehr in den Hintergrund.“ Die Politik danke einem die Arbeit nicht.
Anders die Kundinnen und Kunden. Als die Menschen in Angermünde erfahren hätten, dass der Betrieb zumacht, sei es sehr emotional geworden, sagt Toll. „Viele haben sich für die langjährige Betreuung bedankt.“ Für die Versorgung gibt es weiterhin zwei Apotheken im Ort.
Insgesamt ging die Zahl der Schließung 2025 in Brandenburg im Vorjahresvergleich zurück. Im vergangenen Jahr schlossen zehn Apotheken, vier wurden neu eröffnet. 2024 machten 15 Apotheken zu. Ende 2025 gab es laut Apothekerkammer noch 523 Betriebe.