Maskengegner-Apotheke: Journalist entsetzt, Kooperation hält still

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Berlin -

Manche Apothekeninhaber fallen in der Corona-Krise durch Meinungen auf, die nicht den allgemein anerkannten Erkenntnissen entsprechen. Solange sie dadurch nicht ihre heilberuflichen Aufgaben beeinträchtigen, ist das ihr gutes Recht. Allerdings stehen viele Betriebe nicht nur für ihren eigenen Namen ein, sondern auch für die Kooperationen, bei denen sie Mitglied sind und deren Logos sie auf dem Schaufenster tragen. Wie geht man damit um? Die Sanacorp-Kooperation mea distanziert sich von einem solchen Fall, sieht aber keine Handhabe. Ein Sonderkündigungsrecht für politische Umtriebe werde vertraglich explizit ausgeschlossen.

Apotheken müssen bei Aufrufen im Zusammenhang mit den Corona-Schutzmaßnahmen so vorsichtig sein wie andere Betriebe auch. Zur Missachtung gesetzlicher Vorgaben aufzurufen, ist deshalb keine Option. Die Botschaft steht deshalb meist zwischen den zeilen: „In Geschäften herrscht in Deutschland die Maskenverordnung – so auch hier“, steht am Eingang der Kölner Europa-Apotheke*, über das Apotheken-A geklebt. „Sollte es Ihnen aus gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht möglich sein, eine Maske zu tragen, sind sie bei uns trotzdem willkommen.“

Das wirkt erst einmal unverfänglich. Deutlicher wird die Inhaberin auf anderen Aushängen, ebenfalls direkt an der Eingangstür: „Bei uns gilt die 1G-Regel – gesunder Menschenverstand. Jeder ist willkommen!“, heißt es da. „Ob mit oder ohne Gs – gemeinsam gegen die Spaltung der Gesellschaft“, steht auf einem anderen Aushang direkt darunter.

Justiziabel ist all das auf keinen Fall. Die Apotheke verstößt gegen keine rechtlichen Vorgaben, auch nicht gegen das Apothekengesetz oder die Apothekenbetriebsordnung. Allerdings könnte der Fall für jemand anderen unangenehm sein, denn der Betrieb ist im Schaufenster erkennbar klar als mea-Apotheke gebrandet – und das ist nicht nur vor Ort erkennbar. Erst kürzlich machte ein Journalist mit entsprechender Reichweite auf Twitter auf die Aushänge aufmerksam: „So jemand betreibt in Deutschland eine Apotheke“, schreibt Alexander Demling, Silicon-Valley-Korrespondent des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“. Demling hat eine entsprechende Reichweite, über 10.000 „Gefällt mir-Angaben“ und 770 Retweets erhielt sein Post.

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