Nachtdienstgedanken

Ist die zweite Welle schon da?

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Berlin -

Die Infektionszahlen schießen wieder merklich nach oben, das merkt auch Apothekerin Sarah Sonntag in ihrem heutigen Notdienst. Es gibt kaum ein anderes Thema – auch, weil die ersten Erkältungskunden vor der Klappe stehen und Hilfe suchen.

Sarah erinnert sich nur ungern an die Monate März und April zurück: Die Corona-Pandemie lief auf Hochtouren, es herrschte Chaos, Angst und vor allem auch Unwissenheit. „Falls nun also die berühmt-berüchtigte ‚zweite Welle‘ kommt, sind wir hoffentlich besser vorbereitet“, meint die Apothekerin zu Fantaschale Max, die es sich auf dem Schreibtisch bequem gemacht hat.

Belastung fürs Team

Während es über die Sommermonate vermeintlich ruhiger um das Thema Corona wurde, geht es nun wieder richtig los. „Die Zahlen sind erschreckend hoch“, stellt Sarah besorgt fest. Da ihre Apotheke in einem Hotspot liegt, tragen sie und ihr Team seit dieser Woche FFP2-Masken. „Darunter kann die Luft schon mal knapp werden“, berichtet sie. Obwohl sie im Notdienst eigentlich die Gesellschaft der anderen vermisst, ist sie heute froh darüber. „So muss ich die Maske nur aufsetzen, wenn ich zur Klappe gehe.“

Sarah ist glücklich über das Engagement ihrer Mitarbeiter. Von Kollegen hatte sie gehört, dass einige Mitarbeiter sich gegen das Tragen der Maske gewehrt hatten – zehn Stunden am Stück seien einfach zu lang. Ihre „Mädels“ und der Quotenmann hatten jedoch ohne zu meckern der Maskenpflicht zugestimmt. Dafür gestattet Sarah ihrem Team häufiger kleine Verschnaufpausen.

Erkältung als Stigma

Doch nicht nur Corona wird zunehmend wieder ein großes Thema, auch die Erkältungskunden sind mittlerweile in der Apotheke angekommen – wenn sie sich trauen. „Einige kommen ganz schüchtern zum HV-Tisch und äußern ihren Wunsch oder ihre Beschwerden“, berichtet Sarah. Viele ergänzen sofort die Rechtfertigung: „Aber ich habe kein Corona!“ Tag für Tag erlebt die Apothekerin solche oder ähnliche Szenen. Ähnlich sieht es im heutigen Notdienst aus.

„Die Leute trauen sich kaum auszusprechen, dass sie erkältet sind – vor einem Jahr war das noch etwas ganz normales.“ Heute aber sind laufende Nasen, Niesen oder gar Husten die neuen Stigmata der Gesellschaft. Krank zur Arbeit? Undenkbar! Auch im Team hatte Sarah schon mehrere Kolleginnen, die bei etwas Kratzen im Hals gleich Angst hatten in die Offizin zu kommen.

Für die Apotheken bedeutet die derzeitige Situation eine massive Doppelbelastung. „Es werden bestimmt noch Mitarbeiter ausfallen, weil sie erkältet sind, ihr Testergebnis abwarten müssen oder im schlimmsten Fall gar Covid-19 haben“, meint Sarah. Zeitgleich nimmt das Erkältungsgeschäft derzeit zu und es strömen wieder mehr Kunden in die Apotheke. „Die nächsten Wochen bleiben spannend – richtig vorbereiten können wir uns nicht, auch wenn Corona mittlerweile zum Alltag gehört.“

 

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