Inhaber räumt auf

Großeinsatz: Zyankali-Unfall in geschlossener Apotheke

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Berlin -

Die Hager Apotheke in Ostfriesland ist seit mehreren Jahren geschlossen. Als der ehemalige Inhaber jetzt die Räumlichkeiten aufräumte, ist ihm ein Gefäß mit Kaliumcyanid zerbrochen. Der Vorfall hatte eine Straßenvollsperrung und einen Großeinsatz zur Folge. Insgesamt waren 60 Einsatzkräfte vor Ort.

Die Feuerwehr wurde vergangene Woche zu einem Gefahrstoffunfall gerufen. Zunächst war nicht klar, um was für ein Pulver es sich handelte. Der ehemalige Inhaber berichtete, dass beim Aufräumen eine Flasche mit einem Pulver zu Bruch gegangen sei. Nach ersten Schilderungen des Apothekers wurde die Freiwillige Feuerwehr Norden mit ihrer Gefahrguteinheit zur Erkundung alarmiert. Weiterhin wurde ein Fachberater aus Brandenburg telefonisch kontaktiert.

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr gingen mit Chemikalienschutzanzügen in das Gebäude. Dann wurde der Gefahrgutzug des Landkreises Aurich geholt. Auch die gesamte Ortsfeuerwehr Hage wurde für Absperrmaßnahmen und Reinigungsarbeiten alarmiert. Die Lage sei ungewöhnlich gewesen, so die Feuerwehr.

Spezialsauger im Einsatz

Zunächst mussten Teile des Inventars aus dem Obergeschoss ins Freie gebracht, dekontaminiert und für die Entsorgung verpackt werden. Anschließend wurde das Pulver, das sich als Zyankali herausstellte, mit einem speziellen Staubsauger aufgenommen. Danach musste das restliche Pulver auf dem Fußboden mit einer Chemikalie besprüht werden, damit es sich durch eine chemische Reaktion in ein harmloses Pulver umwandelt. Abschließend wurden die Räumlichkeiten gründlich mit Wasser durchgewischt.

Alle Arbeiten mussten die Feuerwehrleute unter Vollschutz und umluftunabhängigem Atemschutz durchführen. Die Einsatzkräfte in diesen Anzügen mussten alle 20 bis 30 Minuten ausgetauscht und anschließend gründlich in einer Dekontaminationsstrecke gereinigt werden. Der gesamte Einsatz zog sich bis in den Abend hinein. Erst nachdem alle Schadstoffe und angefallene Abfälle an einen Entsorger übergeben und die Ausrüstung der Feuerwehren gereinigt war, konnte gegen 19.30 Uhr der zehnstündige Einsatz beendet werden. Währenddessen musste die Hager Hauptstraße voll gesperrt werden.

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