Uniklinikum Essen

Digitale Patienten-Überwachung dpa, 12.03.2018 12:23 Uhr

Essen - Silke Skottky erinnert sich noch gut an den „absoluten Super-Gau“, wie die Laborleiterin der Pathologie am Uniklinikum Essen es nennt. Vor etwa fünf Jahren wurden in der Pathologie zwei Proben verwechselt. Einer jungen Patientin der Hautklinik wurde nach Auswertung ihrer vermeintlichen Befunde mitgeteilt, sie werde bald sterben. Eine etwas ältere Frau erfuhr, die ihr entnommene Probe sei unauffällig. Ursache war ein Zahlendreher – notiert auf der Probe, von Hand.

Bei einer weiteren Untersuchung sei der Irrtum aufgefallen. „Wir haben uns dann für ein komplett neues Konzept entschieden und die Beschriftung von Hand einfach abgeschafft“, erklärt Skottky. Trotz größter Sorgfalt würden Augen und Gehirn ab und zu selbst dem aufmerksamsten Mitarbeiter ein Schnippchen schlagen. Mit der Einführung von Barcodes sei die Fehlerquote gesunken. Die digitale Pathologie macht es möglich.

Doch damit nicht genug: Die Digitalisierung an der Pathologie soll es künftig ermöglichen, Prozesse lückenlos zurückzuverfolgen. An der Klinik sollen ab diesem Jahr entnommene Proben digitalisiert werden. „Wir kriegen oft Anfragen nach Gewebeproben, die vor Jahren entnommen wurden.“ Kommt es etwa Jahre nach einer Krebserkrankung zu einem Rückfall, ist für die Behandlung das Wissen um die Ersterkrankung entscheidend. Dann werden Zettel geschrieben, Archivare tragen Proben durch die Klinik und wieder zurück. „Was da alles schief gehen kann. Allein durch falsch einsortierte Proben“, sagt Skottky.

Sie will nun die Prozesse durch Digitalisierung vereinfachen, Fehlerquellen minimieren. „Wir reden allerdings von 350.000 Gläsern und 220.000 kleinen Transportblöcken pro Jahr.“ Dafür wird ein gigantisches Datenvolumen gebraucht. „Natürlich sind Unikliniken da Vorreiter“, kommentiert Jan Neuhaus, bei der Deutschen Krankenhaus Gesellschaft (DKG) zuständig für IT, Datenaustausch und E-Health. Sie hätten eher die finanziellen Mittel für die Umstellung.

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