Im November ereignete sich ein kurioser Vorfall in der Nähe einer Berliner Apotheke. Ein Botenfahrer, der die Tageseinnahmen zur Bank fahren wollte, wurde per „Drahttrick“ gestoppt und überfallen. Der Verlust liegt im vierstelligen Bereich.
Am 14. November wollte ein Botenfahrer der Tannenberg-Apotheke in Steglitz die Einnahmen der Woche zum Einzahlen in die nahegelegne Bank bringen. „Er fuhr mit den Kasseneinnahmen im Lieferfahrzeug vor der Apotheke los“, schildert Inhaber Dr. Ibrahim Nassar. Das Bargeld befand sich zu diesem Zeitpunkt samt einer EC-Karte und einem Zettel mit der Höhe der Summe in einer separaten Tasche, die wiederum in einem Medikamentenkorb auf dem Beifahrersitz lag.
„Nachdem er etwa 50 Meter zurückgelegt hatte, hörte er ein komisches Geräusch am Auto“, so Nasser weiter. Er sei durch eine der vielen Dauerbaustellen gefahren, als ihn ein klirrendes Geräusch irritierte.
Der Bote sei daraufhin rechts rangefahren. „Er stieg aus und sah, dass unter seinem Auto ein Stück Stahldraht herausschaute“, schildert Nassar. Er habe nicht weiterfahren können, ohne den Draht zu beseitigen. Zunächst habe er sich dazu auf den Boden unter das Auto gelegt. „Alleine konnte er den Draht nicht entfernen und suchte sich daraufhin Hilfe“, erklärt Nassar.
„Zufällig“ seien genau zu diesem Zeitpunkt auch zwei Handwerker mit einem Lieferwagen in der Nähe der Baustelle gewesen. Diese parkten wohl am Straßenrand und seien an ihrem Fahrzeug beschäftigt gewesen, beschreibt Nassar die damalige Situation. „Unser Bote bat um eine Zange, um den Draht vom Auspuffrohr entfernen zu können.“
Er habe das Werkzeug bekommen und sich wieder unter das Fahrzeug gelegt. Als er wieder unter dem Auto hervorkam und einstieg, stellte er fest, dass die Geldtasche fehlte. „Die Männer samt ihrem Lieferwagen und der Geldtasche, die sich vorne im Auto des Fahrers befand, waren verschwunden“, so Nassar. Der Bote rief daraufhin sofort die Polizei. „Die Beamten haben alles aufgenommen und dokumentiert.“ Der Schaden betrug mehr als 8000 Euro.
Michael Jeinsen, Versicherungsexperte, wurde der Fall vorgelegt, um zu prüfen, ob die Versicherung greift. In dem Fall handele es sich um einen sogenannten Trickdiebstahl. „Dieser ist nicht in jeder Police mitversichert. Alle anderen Policen haben zudem Summenlimits“, sagt er. Normalerweise liegen diese bei etwa 1500 Euro. „Somit sind allenfalls übliche Portemonnaieinhalte inbegriffen“, so Jeinsen.
In diesem Fall konnte er mit der Versicherung 6000 Euro Schadensersatz heraushandeln. Das Geld habe Nassar bereits erhalten. „Wäre es übrigens Raub mit physischer oder psychischer Gewaltdrohung gewesen, würde die volle Summe ersetzt“, erklärt Jeinsen.