Zwei Betriebe bleiben

Belastung zu hoch: Apothekenschließung nach einem Jahr

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Berlin -

Die Arbeitsbelastung wegen Notdiensten ist für Inhaberinnen und Inhaber ein akutes Thema. Nicht selten stehen sie am nächsten Tag weiter in der Offizin. Auch Wafaa Choukrane versuchte nach der Übernahme von zwei Apotheken, die Zusatzstunden zu stemmen. Weil sich der Betrieb einer ihrer Filialen auch aus weiteren Gründen nicht lohnte, schloss die 34-Jährige die Apotheke an der Wasserburg in Dortmund und fokussiert sich jetzt auf die beiden verbliebenen Standorte.

Vor einem Jahr expandierte Choukrane und übernahm zwei Apotheken von Frank Grote. Der ehemalige Chef blieb ihr als Angestellter erhalten. Mit den beiden neuen Standorten und ihrer Hauptapotheke in Bochum erhöhte sich auch die Arbeitsbelastung. „Ein großes Problem waren die Notdienste“, sagt sie. „Der Vorbesitzer möchte verständlicherweise nach 20 Jahren Selbstständigkeit keine Nachtschicht mehr machen.“ Auch das andere Personal sei nicht für die Dienste zu motivieren gewesen. Es sei schwierig, dafür Angestellte zu finden.

Zu viele Notdienste

Deshalb stand Choukrane selbst mitunter 72 Stunden durchgehend in der Apotheke. „Ich hatte Monate mit fünf Notdienste oder zwei direkt hintereinander.“ Die Schichten seien „zur großen Belastung“ geworden. In dem einen Jahr mit drei Apotheken habe sie keinen Urlaub gehabt und gleichzeitig ein Minusgeschäft erzielt. Das sei traurig. „Dazu kommt, dass die Vergütung nicht so hoch ist, dass ich mir hätte einen Vertretungsapotheker leisten können.“ Die Notdienst-Pauschale decke dafür nicht die Kosten.

Die Inhaberin stellte den Betrieb der Apotheke an der Wasserburg auf den Prüfstand. Beim Blick in die Zahlen sei klar geworden, dass die Filiale nicht wirtschaftlich laufe. „Es hat sich für mich nicht gelohnt.“ Allein die hohen Stromkosten für die Klimaanlage hätten sich mit Blick auf die Kundenfrequenz nicht gerechnet. Dazu komme, dass es die dünne Personaldecke herausfordernd mache, einen guten Service anzubieten. Es sollte nicht die Situation entstehen, nicht mehr ans Telefon gehen zu können.

Mit Blick auf die Versorgungslage entschied Choukrane, auf die rund 500 Meter entfernte andere Filiale, die Ardey-Apotheke, zu setzen. „Die Entfernung ist nicht so groß und wir bieten einen Botendienst an.“ Das Personal sei übernommen worden. „Mir ist wichtig, dass die Versorgung der Patienten zu 100 Prozent stimmt.“ Wenn das fraglich werde, müsse man sich kümmern und schlimmstenfalls mit einer Schließung reagieren.

Mit den beiden verbliebenen Apotheken könne sie eine gute pharmazeutische Betreuung leisten. „Ich versuche so gut es geht, die Nahversorgung zu sichern.“ Im Gespräch seien etwa weitere Parkplätze.

Forderung nach Honorarerhöhung

Letztlich müsse sich jedoch politisch etwas tun, fordert die Inhaberin. Das Honorar müsse erhöht werden, allein schon, um die höheren Personalkosten finanzieren zu können. „Passiert nichts, werden die kleinen Apotheken irgendwann verschwinden.“

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