Anhörung im Bundestag

AfD-Absage: Apotheker lobt FA-Entscheidung

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Berlin -

Bei der Anhörung zur Apothekenreform am Mittwoch wird die Freie Apothekerschaft (FA) nicht dabei sein. Die Fraktionen hatten den Verein mit rund 2000 Mitgliedern nicht eingeladen, nur die AfD benannte die Vorsitzende Daniela Hänel dann als Sachverständige. Doch die sagte ab – die richtige Entscheidung, wie Apotheker Dr. Nojan Nejatian findet.

Es gehe in dem Fall um zwei zentrale Aspekte: die parteipolitische Neutralität berufsständischer Organisationen und die Frage einer breiten demokratischen Beteiligung im Gesetzgebungsverfahren, so der Inhaber der Heegbach Apotheke in Erzhausen.

Die FA habe sich in den vergangenen Jahren wiederholt engagiert und konstruktiv in berufspolitische Debatten eingebracht. „Ob wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Bürokratiebelastung oder Fragen der Versorgungssicherheit – ihre Positionen haben die Diskussion sachlich bereichert. Vor diesem Hintergrund ist kritisch anzumerken, dass Vertreter der Koalitionsfraktionen die Freie Apothekerschaft im parlamentarischen Verfahren offenbar nicht eingeladen haben. Eine umfassende Anhörung unterschiedlicher berufsständischer Stimmen stärkt Transparenz, demokratische Legitimation und inhaltliche Qualität. Gerade bei Reformvorhaben mit weitreichenden Auswirkungen auf die Arzneimittelversorgung wäre eine pluralistische Beteiligung ein wichtiges Signal gewesen.“

Unabhängig davon sei die Entscheidung, nicht auf Einladung der AfD aufzutreten, jedoch nachvollziehbar und demokratisch: „Berufsständische Organisationen vertreten Mitglieder mit unterschiedlichen politischen Überzeugungen und tragen Verantwortung für ihre institutionelle Integrität. Eine erkennbare parteipolitische Zuordnung kann die notwendige Überparteilichkeit beeinträchtigen.“

Die Apotheken stünden vor erheblichen strukturellen Herausforderungen: Fachkräftemangel, wirtschaftlicher Druck und die Auswirkungen des demografischen Wandels prägten den Alltag vieler Betriebe. Zur Sicherstellung einer flächendeckenden Versorgung seien qualifizierte Nachwuchskräfte – auch aus dem Ausland – längst unverzichtbar. „Politische Konzepte, die auf umfassende ‚Remigration‘ abzielten, stehen im Spannungsfeld zu diesen realen Versorgungsanforderungen.“

Zudem sei die AfD in der öffentlichen Wahrnehmung wiederholt durch populistisch zugespitzte Forderungen, interne Kontroversen, Vorwürfe der Vetternwirtschaft sowie Spionageaffären aufgefallen, so Nejatian. „Für die Lösung komplexer gesundheitspolitischer Fragestellungen bedarf es jedoch verlässlicher, differenzierter und konstruktiver Ansätze. Symbolische Rhetorik ersetzt keine tragfähigen Konzepte zur Stabilisierung der Apothekenlandschaft. Trotz parlamentarischer Präsenz in mehreren Landtagen ist bislang kein nachhaltiger Schwerpunkt der Partei zur strukturellen Stärkung der Apotheken erkennbar.“

Die Apothekerschaft in Deutschland sei vielfältig, sie werde von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Biografien und Lebenswege getragen. „In den Apotheken werden täglich alle Patientinnen und Patienten versorgt – unabhängig von Herkunft, Aussehen, Religion oder sozialem Status. Diese Offenheit ist gelebte Realität und Teil des beruflichen Selbstverständnisses. Eine Spaltung entlang äußerlicher oder ethnischer Merkmale widerspricht dem Versorgungsauftrag und dem ethischen Fundament des Berufsstandes.“

Für Nejatian ist klar: „Die FA setzt mit ihrer Entscheidung ein Zeichen für demokratische Verantwortung und parteipolitische Unabhängigkeit. Neutralität bedeutet dabei nicht Beliebigkeit, sondern die bewusste Wahrung professioneller Distanz – im Interesse einer stabilen, flächendeckenden und zukunftsfesten Arzneimittelversorgung.“

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