Eines durfte sich Apotheker Klaus Rabe nicht erlauben: An den Feiertagen zu arbeiten. Der 73-Jährige ist nach dem Aus seiner Selbstständigkeit bundesweit als Vertretungsapotheker unterwegs. Doch zu Weihnachten wollte ihn seine Frau lieber bei sich wissen. Auch wenn er seine Einsätze 2026 etwas einschränken will, von einem „Tattergreis mit Rollator“ fühlt er sich noch ganz weit entfernt.
Rabe ist ein alter Hase im Geschäft. Seit Anfang der 1980er-Jahre war er selbstständig. Kurz vor der Jahrtausendwende gründete er die Raben-Apotheke im Kieler Vorort Kronshagen. Später kamen im Kieler Raum drei Filialen hinzu. Der ehemalige Vize des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein erlebte Höhen und Tiefen. Ende 2018 schloss er seinen letzten Betrieb.
An Ruhestand war jedoch nicht zu denken. Rabe wollte die Apotheke nicht ganz aufgeben. Natürlich hatte dies auch finanzielle Gründe. Der Inhaber, der auch eine Insolvenz durchlebte, konnte die Apotheke letztlich nicht wie anfangs erhofft verkaufen. Am Ende fehlte dieses Geld. „Die Apothekenvertretung tut einem finanziell gut“, sagt er. Vor allem mache es „wieder Spaß“. Denn als Vertreter sei er „wieder vorne im Einsatz“ und müsse sich nicht um bürokratische Themen kümmern. „Das ist ein großer Vorteil, wenn man als Außenstehender in die Apotheke kommt.“
In den vergangenen acht Jahren war er in rund 40 Apotheken tätig. Gebucht wird er als Urlaubsvertretung oder weil der oder die Approbierte nach dem Notdienst eine Pause braucht. Rabe zeigt sich auch im hohen Alter noch flexibel: „In Schleswig-Holstein kann ich kurzfristig einspringen, wenn ich Zeit habe.“
Seine freiberufliche Tätigkeit brachte ihn bis in den Süden an den Bodensee. So weit wird er künftig nicht mehr ziehen, um in einer Apotheke auszuhelfen. „Die zehnstündige Autofahrt ist doch ein bisschen viel. Das Auto und ich werden älter“, räumt er ein. „Noch geht es gesundheitlich und ich fühle mich körperlich fit. Und ich kann mit 50 Jahren Apothekenerfahrung protzen.“
In die neuen Teams kann er sich laut eigenem Empfinden schnell einleben. Einen großen Vorteil sieht er darin, als erfahrener Kollege zu kommen: „Die Mädels kennen meine Geschichten noch nicht. Das ist ein Vorteil, sie denken nicht, ach der schon wieder. Es ist immer ganz lustig. Ich habe eine andere Position, bin nicht der strenge Chef, sondern scherze und lache mit den Kolleginnen. Die freuen sich, wenn ich komme. Und wenn nicht, dann gehe ich da nicht mehr hin.“
In den vergangenen fast neun Jahren erlebte er jedoch auch den Wandel der Branche hautnah mit. Mit der rückgehenden Zahl an Apotheken verlor er einige Auftraggeber. Viele seiner Kunden hätten mittlerweile geschlossen. Von acht Betrieben weiß er. „Ich habe aber nicht alle mitverfolgt.“ Dadurch werde auch die Zahl der Anfragen weniger, da auch wieder mehr Personal zur Verfügung stehe. „Man merkt, dass die Apothekenzahl zurückgeht.“