Tiere als Maskottchen

Wer sich für das Potenzmittel-Marketing nicht eignet

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Berlin -

Als das Patent für Sildenafil im Juni 2013 fiel, war die Aufregung riesengroß. Auch wenn es heute bei Tadalafil nicht mehr ganz so wild zugeht, alltäglich ist es nicht. Denn der Markt öffnet sich nicht oft für ein verschreibungspflichtiges, nicht erstattungsfähiges Arzneimittel, mit dem Millionen umgesetzt werden. Das ist eine besondere Herausforderung für Marketing-Abteilungen der Hersteller, nicht zuletzt weil es sich um ein Potenzmittel handelt. Wir haben ein paar Tierchen gesammelt, die sich als Maskottchen definitiv nicht einigen.

Bei Sildenafil-Generika waren es vor allem der Gockel von Hexal und der Hengst von Aliud, die von Anfang an massiv im Marketing eingesetzt wurden. Jeweils eine nahe liegende Wahl, wobei der Hahn sich bei näherem Hinsehen aufgrund seiner Geschlechtsorgane eigentlich doch nicht eignet: Der Penis des Hahns wächst nur etwa eine Woche, dann wird das Protein BMP4 angeschaltet und der programmierte Zelltod tritt ein. Zur Fortpflanzung bleibt ihm die Kloake. Aber bitte – der Kamm schwillt, das reicht fürs Marketing.

Diesmal setzt Hexal auf den Widder. Der steht für Fruchtbarkeit und kann bis zu 50 Mal am Tag. Auch optisch eine gute Wahl. So gesehen wäre vielleicht auch ein Karnickel als Masskottchen denkbar. Aber mit dem sprichwörtlichen Rammler identifiziert sich der Mann vermutlich nicht so gern.

Noch schlechter wäre der Pandabär: Die schwarz-weiße Optik ließe sich zwar beim Packungsdesign elegant umsetzen, und das Tier ist ja auch irgendwie sympathisch. Aber halt eher auf eine niedliche, hilfsbedürftige Art. Er ist auch deshalb vom Aussterben bedroht, weil er über das Fressen die Fortpflanzung vergisst.

Der Zitteraal ist mit bis zu 2,8 Meter Länge und der Fähigkeit, Stromstöße zu erzeugen, eher etwas für die Fetisch-Ecke. Die breite Masse wird das Marketing damit nicht erreichen. Ähnliche Probleme bei der Nacktschnecke: Die sprachlichen Anleihen klingen erst einmal passend, aber sie ist klein, langsam, weich und schleimig.

Marketingtechnisch wären die Farben des Blaufußtölpels ein Knaller, aber sein wenig schmeichelhafter Name verbannt ihn von der Kandidatenliste. Beim Iltis ist es eher die Assoziation: Zwar zählt der gefragte Nerz zu seiner Familie, aber sprichwörtlich ist eben sein Gestank. Der Koboldmaki ist dagegen ein Halbaffe, außerdem glotzt er so gierig – abgelehnt.

Wie wäre es mit der Gottesanbeterin? Ein paar Ideen für die Bewerbung gäbe es da schon. Aber mit der Angst im Hinterkopf, nach dem Sex gefressen zu werden, hilft vielleicht auch die Pille nicht mehr. Das gilt ebenso für den Storch: Der Kinderwunsch steht halt nicht immer im Vordergrund. Die Variante davon ist der Königspinguin – die männlichen Artgenossen müssen das gelegte Ei wochenlang in Sturm und Eis allein bewachen, bis die Mutter vom Fischen zurückkommt.

Ein Frosch als Testimonial funktioniert auch nicht mehr: Das mit dem Kuss ist als Fake News enttarnt. Und das Faultier käme wohl allenfalls zum Kuscheln danach in Frage. Erdmännchen sind dagegen viel zu hektisch und daher nicht besonders sexy. Den Vogel abgeschossen in dieser Liste hat aber der Candirú: Er wird auch Harnröhrenwels oder Penisfisch genannt, der Rest erklärt sich von selbst.

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