Vor Kurzem wurde ein Versorgungsmangel bei Benzylpenicillin-Benzathinhaltigen Arzneimitteln zur parenteralen Applikation bekanntgegeben. Weil für das Depot-Penicillin keine Alternativen zur Verfügung stehen, ist eine schnelle Lösung gefragt. Die kommt mit Importware aus Portugal.
Das Depot-Penicillin kommt unter anderem für die Behandlung von Syphilis sowie zur Langzeittherapie von chronischen Streptokokkeninfektionen zum Einsatz. Eine therapeutisch gleichwertige Alternative gibt es nicht – ein Austausch auf andere Antibiotika ist nicht ohne weiteres möglich. Bereits seit Sommer 2025 sollen Informationen zu einem absehbaren Einbruch der Verfügbarkeit des einzigen in Deutschland zugelassenen Präparats ab dem ersten Quartal 2026 vorliegen.
Grund für den Engpass ist laut Infectopharm die wirtschaftlich begründete Einstellung der Produktion bei den bisherigen Lohnherstellern. Die Feststellung des Versorgungsmangels, erleichtert die Einführung von Importen. Infectopharm nutzt die Möglichkeit und stellt als eng getaktete zeitnahe Abhilfe zunächst 50.000 Packungen des Depot-Penicillins aus Portugal zur Verfügung. Dabei handelt es sich um Lentocilin S1200 Atral 1.200.000 I.E./4ml, das von der Infectopharm-Tochterfirma Pädia für den deutschen Markt bereitgestellt wird. Das Präparat trägt die PZN 20375044.
Das Antibiotikum kann zulasten der Kassen abgerechnet und ab der ersten Märzwoche über den Großhandel bezogen werden. Kliniken können sich voraussichtlich schon früher – ab dem 15. Februar – bevorraten.
Das Arzneimittel kommt ohne deutsche Kennzeichnung. Die Übersetzungen der portugiesischen Fach- und Gebrauchsinformation stehen zum Download auf Homepage von Infectopharm und Pädia und ab dem 15. Februar in der Lauer-Taxe zur Verfügung.
„Die lückenlose Versorgung der Patientinnen und Patienten mit diesem unverzichtbaren Antibiotikum hat für uns oberste Priorität“, sagt Philipp Zöller, geschäftsführender Gesellschafter von Infectopharm. „Wir freuen uns daher sehr über den Erfolg unserer frühzeitigen Initiative und die unterstützende, konstruktive Haltung des BfArMs im gesamten Prozess. Für die Produktion von Benzylpenicillin-Benzathin arbeiten wir bereits an einer nachhaltigen Lösung innerhalb Europas.“
Anforderungen, Kosten und Wirtschaftlichkeit stehen in keinem Verhältnis. Die aktuelle Situation verdeutliche das grundsätzliche Problem bei der Versorgung mit bestimmten kritischen Arzneimitteln. Die Herstellung von Depot-Penicillinen ist hochkomplex und erfordert dedizierte Anlagen sowie eine aseptische Fertigung, so Infectopharm. Die hohen produktionstechnischen Anforderungen treffen auf stark regulierte und historisch niedrige Erstattungspreise, die insgesamt eine wirtschaftliche Produktion für viele Hersteller unmöglich machen.
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