Sanacorp: Defekte als Umsatzkiller

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Berlin - Die Sanacorp könnte nach Angaben von Vorstandschef Dr. Herbert Lang fast doppelt so viel Umsatz machen – wenn die Industrie sie in gewünschtem Umfang beliefern würde. Dies erklärte er den Mitgliedern der Genossenschaft in einer Video-Botschaft, die anstelle der Corona-bedingt ausgefallenen Vertreterversammlung online ausgestrahlt wurde.

Im vergangenen Geschäftsjahr steigerte die Sanacorp ihren Umsatz hierzulande um 5,4 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro und wuchs damit leicht über Markt, der um 4,2 Prozent zulegte. Theoretisch hätte der Umsatz aber bei rund 9 Milliarden Euro liegen können, so Lang: In diesem Umfang habe man nämlich Ware bei den Hersteller bestellt. Aufträge im Wert von 4 Milliarden Euro seien also überhaupt nicht ausgeliefert worden. „Dies belegt eindeutig, dass wir kein Bevorratungsproblem haben, sondern ein Produktions- beziehungsweise Verfügbarkeitsproblem“, so Lang. „Denn die Hersteller haben über die Jahre hinweg – gezwungenermaßen – ihre Vorproduktion oder die Arzneimittelproduktion insgesamt in Niedriglohnländer wie Indien oder China verlagern müssen.“

Im Zuge der Corona-Pandemie sei diese Problematik besonders deutlich geworden – nicht zuletzt durch die dramatischen Versorgungsengpässe bei Masken oder Desinfektionsmitteln, so Lang. Die vermeintliche Lösung, bei Engpässen eine Erhöhung der Bestände des Großhandels verpflichtend vorzuschreiben, greife allerdings vollkommen ins Leere: „Denn was nicht verfügbar ist, kann auch nicht bevorratet werden.“

Gerade in diesen Krisenzeiten seien es nicht die Versandapotheken, die die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln sicherstellten, sondern die öffentlichen Apotheken, so Lang. Mit der Einführung des E-Rezeptes werde allerdings der Boden für den Versandhandel auch für Amazon und angeschlossene Händler bereitet. Aus diesem Grund habe die Sanacorp mit anderen starken Partnern die Initiative Pro AvO gegründet, um eine Plattformlösung für alle Apotheken zu bieten. Apotheken und Pharmagroßhandel gemeinsam hätten auch heute schon tatsächlich die Strukturen und Möglichkeiten, um im Schulterschluss ein für den ausländischen Versandhandel unüberwindbares Versorgungsnetz im deutschen Arzneimittelmarkt aufzubauen. „Es fehlt nur die Plattformeinigkeit darüber.“

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