Reimporteure

Kahlschlag bei CC Pharma

, Uhr
Berlin -

Beim Reimporteur CC Pharma steht laut einem Bericht vom „Volksfreund“ ein personeller Kahlschlag an. Demnach entlässt das Unternehmen aus Densborn zum 31. Oktober 160 seiner 420 Mitarbeiter – also fast 40 Prozent der Belegschaft. Auch der Geschäftsführer sei erneut ausgetauscht worden.

Dem Bericht zufolge übernimmt Manfred Ziegler die Geschäftsführung von Dr. Ulrich Eggert. Dieser hatte erst im Oktober vergangenen Jahres Ralf Kurenbach an der Spitze des Reimporteurs abgelöst. „Wir haben in den vergangenen Wochen sehr intensiv Prozesse, Strukturen, Sach- und auch Personalkosten auf den Prüfstand gestellt“, wird Ziegler vom Volksfreund zitiert.

„CC Pharma kann und muss sich auf seine klassischen Produkte und Stärken konzentrieren, das Apotheken- und Großhandelsgeschäft weiter ausbauen“, so Ziegler weiter. Mit dem Betriebsrat sei bereits ein Sozialplan verabschiedet worden, dass CC Pharma ab Herbst nur noch rund 260 Mitarbeiter beschäftigen werde.

Laut Ziegler leidet CC Pharma unter dem schwachen Euro: „Exportorientierte Industrieunternehmen können von der Entwicklung profitieren, für uns als Importeur ist die Abwertung des Euro schwierig“, so Ziegler. Darüber hinaus belaste der Herstellerabschlag das Geschäft nachhaltig, zitiert der Volksfreund.

Negativschlagzeilen gab es für CC Pharma auch im vergangenen Jahr: Als in Italien gefälschte Arzneimittel in den Umlauf gebracht wurden, musste der Reimporteur massenhaft Ware zurückrufen. Auch wenn die Reimporteure für sich beanspruchen, die Fälschungen durch ihre Kontrollen erst aus dem Verkehr gezogen zu haben, war über den Italien-Skandal eine Debatte um die Importförderklausel entbrannt.

Gesundheitspolitiker wie der CDU-Abgeordnete Michael Hennrich hatten eine Abschaffung der Importquote gefördert, ebenso der Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Professor Dr. Karl Broich. In Stellungnahmen der ABDA tauchte ein entsprechender Wunsch ebenfalls wiederholt auf, sogar die AOK Baden-Württemberg sprang den Apothekern bei.

Der Druck macht sich auch bei der Konkurrenz bemerkbar: Der Reimporteur Orifarm hat seine Produktion bereits ins Ausland verlagert, ist jetzt auch der hauseigene Außendienst Geschichte. Dieser soll künftig von einem externen Dienstleister gestellt werden. Betroffen sind 13 Mitarbeiter, denen Stellen in Leverkusen angeboten wurden.

CC Pharma wurde 1999 gegründet und gehört Klaus-Wilhelm Gerke und seiner Tochter Alexandra Gerke, die Geschäftsführerin von Pharma Gerke ist, sowie Dr. Thomas Weppelmann. Seit 2006 sitzt die Firma in Densborn in der Vulkaneifel. 2009 entstand ein weiteres Gebäude mit Lager-, Produktions- und Büroflächen. Ein Jahr später wurde ein eigenes Labor fertiggestellt, um selbst die Qualität der Medikamente zu kontrollieren. Außerdem konnten damit empfindliche Arzneimittel unter Reinraumbedingungen umverpackt werden.

Der Umsatz lag 2013 bei rund 360 Millionen Euro, damit lag CC Pharma ungefähr gleichauf mit Konkurrent Eurim. Für das laufende Geschäftsjahr zeichnet sich laut Unternehmen ein deutlicher Umsatzrückgang ab. Zum Unternehmen gehört auch der Exporteur Propharmed, der zuletzt rund 12 Millionen Euro erwirtschaftete. Die auf Nahrungsergänzungsmittel spezialisierte Firma CC Vital vertreibt ihre Produkte mittlerweile im Internet und steht offenbar nicht mehr im Fokus.

Mit der Neuausrichtung möchte CC Pharma seine Situation stabilisieren. Als potenzielle neue Geschäftsfelder hat die Geschäftsführung laut dem Bericht des Volksfreund das Exportgeschäft, den Vertrieb von Betäubungsmitteln, hochwertige Kosmetik oder auch Tierarzneimittel im Blick. Erklärtes Ziel sei es, mit den 260 Mitarbeitern wieder unter die Top-Unternehmen in der Branche zu kommen. Lange hatte sich CC Pharma auf Hochpreiser für eine bestimmte Klientel konzentriert, die wegen des Abschlags aber nicht mehr kostendeckend erhältlich sind.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr zum Thema
Mehr aus Ressort
Pharma-Chef verlässt Konzern
Wechsel bei Bayer

APOTHEKE ADHOC Debatte