OTC-Präparate

Neustart für Bromuc

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Berlin -

Drei Jahre war Bromuc aus den Apotheken verschwunden. Der Hustenlöser mit N-Acetylcystein (NAC) wurde von Temmler Pharma vom Markt genommen. Der Berliner OTC-Hersteller Aristo hat die Marke gekauft und will neuen Schwung in den NAC-Markt bringen. Der Außendienst bietet Apotheken den Hustenlöser ab sofort als Pulver an.

Aristo hat Bromuc vor einem Jahr von Temmler übernommen; der Lohnhersteller, der heute zu Aenova gehört, hatte 2011 von Astellas/Klinge neben dem Produktionsstandort einige Produkte übernommen. Andere Marken wie Vomex und Venostasin gingen 2014 an die Aristo-Schwesterfirma Strathos.

„Bromuc ist wegen des griffigen und prägnanten Namens eine gute, wohlklingende OTC-Marke“, sagt Aristo-Geschäftsführer Dr. Stefan Koch. Dazu komme die Historie: Vor Temmler war die Marke jahrzehntelang bei Klinge/Astellas angesiedelt.

Ursprünglich war der Hustenlöser als Brausetablette erhältlich. Aristo setzt jedoch auf eine andere Darreichungsform: „Wir wollten partout keine weitere Brausetablette, sondern etwas Neues, Innovatives auf den Markt bringen“, so Koch. Das OTC-Produkt ist als Pulver zur Herstellung einer Lösung in den Dosierungen 100, 200 und 600 mg erhältlich.

Aristo kommt mit der Einführung des Hustenlösers Anfang Februar zwar relativ spät. Allerdings hat die Grippewelle noch nicht zugeschlagen. Die 32 Außendienst-Mitarbeiter beginnen in dieser Woche mit dem Verkauf. In Apotheken werden laut IMS-Zahlen mit NAC-haltigen Produkten jährlich rund 42 Millionen Euro auf Basis der Apothekenverkaufspreise (AVP) umgesetzt.

Unangefochtener Platzhirsch ist Hexal mit einem Marktanteil von etwa 90 Prozent. Die Holzkirchener haben mit ACC akut Brausetabletten sowie einen Saft für Kinder im Sortiment. Weitere Anbieter von Brausetabletten sind Generikahersteller wie 1A Pharma, Stada und Aliud, Axcount sowie Sandoz und Ratiopharm. Die Teva-Tochter hat ebenfalls Sachets mit Pulver in den Dosierungen 200 und 600 mg im Sortiment.

Aristo bietet Generika und Originalpräparate an. Die 2008 gegründete Firma gehört der Strüngmann-Familie. 2010 entschied man sich, bekannte Marken der Tochterfirmen wie Kamillan, Imidin, Eucabal, Carvomin, Divalol und Emesan unter der Dachmarke Aristo zu bündeln.

Die erste Tochterfirma der Unternehmensgruppe der Hexal-Gründer Thomas und Andreas Strüngmann war Lindopharm. Die Brüder hatten den Hersteller mit Sitz in Hilden 2001 vom Privatgroßhändler „von der Linde“ übernommen. 2005 wurde das Berliner Familienunternehmen Steiner übernommen. Ein Jahr später kam Pharma Wernigerode dazu. Schließlich komplettiert seit 2009 der Magdeburger Hersteller Esparma die Gruppe.

Zuletzt hatte es Angriffe von Drogerieketten auf NAC gegeben, Hexal hatte sich im Streit mit der Drogeriekette dm um ein NAC-haltiges Produkt durchgesetzt und den Verkauf per einstweiliger Verfügung vom Landgericht Hamburg stoppen lassen. dm hatte das Präparat als diätetisches Lebensmittel verkauft. Entsprechend musste dm das Produkt „NAC Brausetabletten“ unter der Eigenmarke „Das gesunde Plus“ aus dem Sortiment nehmen.

Eigentlich wollte das Oberlandesgericht (OLG) am 10. Dezember eine Entscheidung bekannt geben. Doch zwischenzeitlich hatte dm einen Rückzieher gemacht, weil die Aussichten auf Erfolg in Karlsruhe offenbar als zu gering eingeschätzt wurden. Die Anwälte der Drogeriekette zogen die Berufung zurück, die erstinstanzliche Entscheidung im Eilverfahren ist damit rechtskräftig.

Schon im Jahr 2012 hatte die Drogeriemarktkette ein NAC-Präparat auf den Markt gebracht, damals unter der Bezeichnung „Hustenlöser NAC-akut“. Auch damals hatte Hexal durchgesetzt, dass dm – genau wie Konkurrent Rossmann – die Brausetabletten schließlich wieder aus den Regalen nahm. Mit dem neuen Produkt hatte sich dm einen Schritt vom NAC-Arzneimittel entfernt, da die Brausetabletten nicht mehr explizit als Hustenlöser vermarktet wurden.

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