Apothekenpflicht

dm gibt NAC auf

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Berlin -

Den Verkauf NAC-haltiger Präparate gibt die Drogeriemarktkette dm nach zwei Anläufen und folgenden Gerichtsprozessen offenbar auf. Im Verfahren gegen den Hersteller Hexal hat dm juristisch die Waffen gestreckt und die Berufung zurückgezogen. Auch ein Hauptsacheverfahren will die Drogeriekette in der Sache nicht mehr anstreben.

Ende 2014 hatte dm erneut ein NAC-haltiges Produkt in seinen Filialen verkauft. Mit 200 mg Wirkstoff entsprach das Präparat gängigen Hustenlösern aus der Apotheke wie etwa ACC akut von Hexal. Weil der Wirkstoff in Arzneimitteln apothekenpflichtig ist, hatte dm sein Produkt als diätetisches Lebensmittel verkauft.

Hexal war dagegen vorgegangen und hatte den Verkauf per einstweiliger Verfügung vom Landgericht Hamburg stoppen lassen. Entsprechend musste dm das Produkt „NAC Brausetabletten“ unter der Eigenmarke „Das gesunde Plus“ Anfang des Jahres aus dem Sortiment nehmen.

Doch die Drogeriekette sah sich im Recht und brachte den Fall vor das Hanseatische Oberlandesgericht (OLG). Aufgrund Entscheidungen anderer Gerichte sehe sich das Unternehmen in einer guten juristischen Position und werde weiterhin die prozessualen Rechte in Anspruch nehmen, sagt Ulrich Maith, als dm-Geschäftsführer verantwortlich für das Produktmanagement, noch im Juli.

Eigentlich wollte das OLG am 10. Dezember seine Entscheidung bekannt geben. Doch zwischenzeitlich hat dm einen Rückzieher gemacht – die Aussichten auf Erfolg wurden in Karlsruhe offenbar als zu gering eingeschätzt. Die Anwälte der Drogeriekette haben die Berufung zurückgezogen, die erstinstanzliche Entscheidung im Eilverfahren ist damit rechtskräftig.

Schon im Jahr 2012 hatte die Drogeriemarktkette ein NAC-Präparat auf den Markt gebracht, damals unter der Bezeichnung „Hustenlöser NAC-akut“. Auch damals hatte Hexal durchgesetzt, dass dm – genau wie Konkurrent Rossmann – die Brausetabletten schließlich wieder aus den Regalen nahm.

Mit dem neuen Produkt hatte sich dm einen Schritt vom NAC-Arzneimittel entfernt: Die Brausetabletten wurden nicht mehr explizit als Hustenlöser vermarktet. Auf Nachfrage zum neuen Präparat hatte dm erklärt: „Das Produkt 'NAC Brausetabletten' unterscheidet sich sowohl in seiner Gestaltung als auch in seiner Verkehrsbezeichnung von dem Produkt 'Hustenlöser NAC-akut Brausetabletten'.“

Auch wenn der Begriff Hustenlöser gestrichen wurde – die Brausetabletten standen im Regal zwischen Hustensaft und Husten- und Bronchialtropfen. Eine Packung kostet 2,95 Euro. Hergestellt ist wie schon vor zwei Jahren die Windstar-Tochter Dr. Kleine Pharma aus Bielefeld. Das Unternehmen produziert auch Arzneimittel für Discounter, etwa Baldrian-Dragees und Gelenk-Kapseln für Penny und Norma.

Auch wenn der Begriff Hustenlöser gestrichen wurde – die Brausetabletten standen im Regal zwischen Hustensaft und Husten- und Bronchialtropfen. Eine Packung kostet 2,95 Euro. Hergesteller war wie schon vor zwei Jahren die Windstar-Tochter Dr. Kleine Pharma aus Bielefeld. Das Unternehmen produziert auch Arzneimittel für Discounter, etwa Baldrian-Dragees und Gelenk-Kapseln für Penny und Norma.

Die Apothekenpflicht von NAC wurde auch von offizieller Seite schon einmal geprüft: Der Sachverständigenausschuss für Apothekenpflicht beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hatte sich 2009 gegen eine Freigabe von NAC ausgesprochen. Der Zulassungsdienstleister Diapharm, der hinter einem entsprechenden Antrag stand, hatte darauf hingewiesen, dass NAC-haltige Produkte auch als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben werden. Der Ausschuss hatte eine Überprüfung der Verkehrsfähigkeit dieser Produkte gefordert.

dm stützte sich auf eine Ausnahmeregelung in der Diätverordnung (DiätV). NAC ist demnach als Zusatzstoff in Nährstoffformulierungen erlaubt, die auf bestimmte Beschwerden oder Krankheiten angepasst sind. Der Wirkstoff trägt den Vermerk „nur für bilanzierte Diäten“.

Nach erfolgloser Abmahnung war Hexal dagegen gerichtlich vorgegangen: Am 26. Januar verbot das Landgericht Hamburg der Drogeriekette, das Produkt als ergänzende bilanzierte Diät zur diätetischen Behandlung von Bronchitis in Verkehr zu bringen. Die von den Anwälten der Drogeriekette Anfang des Jahres beim Gericht hinterlegte Schutzschrift rettete das Unternehmen nicht, die einstweilige Verfügung wurde erlassen und ist nunmehr rechtskräftig.

Für Hexal geht es um ein wichtiges Produkt: Mit dem eigenen Hustenlöser ACC akut ist man Marktführer in der Apotheke – bei knapp 8 Millionen Packungen und 60 Millionen Euro Umsatz auf Basis der Apothekenverkaufspreise.

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