Generikahersteller

Esparma: Aristo streicht Jobs – und muss dafür zahlen

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Berlin -

Aristo baut bei seiner Tochterfirma Esparma in Osterweddingen bei Magdeburg 60 Stellen ab – und muss deshalb Millionen an Fördergeldern an das Land Sachsen-Anhalt zurückzahlen. Denn dessen Investitionsbank hatte den Bau des Standorts erst vor wenigen Jahren gefördert.

Für mehr als ein Drittel der Beschäftigten ist demnächst Schluss, das hatte die Geschäftsleitung ihnen auf einer dafür einberufenen Versammlung mitgeteilt. Am Standort in der Magdeburger Börde ist Esparma in der Pharmalogistik und der Verblisterung der Fertigarzneimittel tätig. Doch die Konzernmutter in Berlin richtet die Produktionsstandorte neu aus und hat deshalb entschieden, die Fertigung der Blister auf andere Standorte zu verteilen. Der Abbau werde sozialverträglich vonstatten gehen, versichert Aristo. Es werde ein Freiwilligenprogramm geben sowie die Möglichkeit der Weiterbeschäftigung an einem anderen Standort.

Und dann muss Aristo nochmal in die Tasche greifen: Bereits nach Bekanntwerden der Streichungen kündigte die Investitionsbank Sachsen-Anhalt an, eine Rückforderung von Fördergeldern zu prüfen. Denn von den 40 Millionen Euro, die der Standort kostete, kamen fünf aus der sogenannten Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW). Deren Zweckbindung läuft noch, wie das Wirtschaftsministerium dem MDR mitteilte. Aristo gab nun bekannt, dass man sich auf eine Rückzahlung der Fördergelder, „die den Herstellungsbereich betreffen“, geeinigt habe. Ob es sich dabei um die gesamte Summe oder nur einen Teil handelt, ließ Aristo offen.

Der Standort war erst 2015 unter Beteiligung von Geschäftsführer Matthias Schmidt und Ministerpräsident Reiner Haseloff eröffnet worden. Er freue sich über „feste und gut bezahlte Arbeitsplätze“ vor Ort, so der CDU-Politiker damals. Auch Schmidt lobte den Standort für seine Lage und das Angebot an Mitarbeitern. Das Esparma-Werk liegt in einem rund 300 Hektar großen Gewerbegebiet, in dem sich auch ein großes Paketzentrum der DHL und ein Werk von Glas Trösch liegen.

Aristo hatte Esparma 2009 gekauft; an dem Hersteller hatte sich zuvor der indische Hersteller Wockhardt verhoben. Aristo selbst geht auf mehrere Hersteller zurück: Bereits 2001 übernahm die Strüngmann-Familie Lindopharm mit Sitz in Hilden. Verkäufer war der Privatgroßhändler „von der Linde“, der nach mehreren Jahrzehnten plötzlich Interessenkonflikte mit anderen Herstellern befürchtete. Als klar war, dass Lindopharm nicht mit Hexal an Novartis verkauft werden würde, wurde der Mittelständler sukzessive ausgebaut.

Anfang 2006 wurde zunächst das Berliner Traditionsunternehmen Steiner Arzneimittel (Sedariston, Sogoon) gekauft, im Sommer desselben Jahres folgte Pharma Wernigerode (Kamillan, Parodontal, Imidin). Pünktlich zum Ablauf des dreijährigen Wettbewerbsverbots, zu dem sich die Strüngmanns beim 6 Milliarden Euro schweren Verkauf von Hexal an Novartis verpflichtet hatten, wurde 2008 in Berlin Aristo gegründet. Die Gelegenheit war günstig: Nachdem Klosterfrau 2006 die Marken des Herstellers Lichtwer übernommen hatte, erwarb man aus der Konkursmasse die leer stehenden Produktionsanlagen im Norden der Stadt.

Den großen Wachstumsschub brachten dann die Rabattverträge: Nach Lindopharm beteiligte sich auch Aristo an den Ausschreibungen; mittlerweile ist die Firmengruppe bei allen großen Kassen vertreten. Größte Produkte sind Simvastatin, Cefurax und Carbamazepin. Dank der Verträge verdoppelten sich die Umsätze im Rx-Bereich zuletzt im Jahrestakt; allerdings zehrten die Investitionen die Gewinne der vergangenen Jahre zu einem großen Teil auf. Die OTC-Produkte sind vor allem in den neuen Bundesländern. Dazu kommen Produkte wie Gluco-Test, die vor allem über Arztpraxen laufen.

Drittes Standbein ist die Lohnherstellung. Nach weniger erfolgreichen Ausflügen in den Nahen Osten wurde im Juli 2011 die spanische Laboratorios Medicamentos Internacionales (Medinsa) von Grünenthal übernommen. Das Unternehmen mit Sitz in Madrid ist als Lohnhersteller auf feste orale Arzneiformen spezialisiert und produziert für so ziemlich jedes größere Generikaunternehmen. Insgesamt hat die Firmengruppe – neben der spanischen Medinsa – vier Produktionsstandorte, zwei in Berlin, einen in Hilden und einen in Wernigerode.

Außerdem vertreibt Aristo seit der Medinsa-Übernahme eigene Generika in Spanien und Portugal. Über Esparma ist die Gruppe auch in Russland und der Ukraine aktiv, zuletzt wurden in Großbritannien die Firma CEB Pharma gekauft und in Österreich eine Niederlassung eröffnet.

Insgesamt arbeiten heute mehr als 1100 Mitarbeiter für die Firmengruppe, darunter 30 im Apotheken- und 75 im Arztaußendienst. Geschäftsführer von Aristo sind heute Dr. Stefan Koch (Marketing/Vertrieb), Anton Karremann (Finanzen), Dr. Kristian Ruepp (Geschäftsentwicklung/Zulassung/F&E) sowie Dr. Sabine Brand (Produktion/Qualitätskontrolle). Für das laufende Jahr wird ein Umsatz von 260 Millionen Euro angepeilt.

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