Zugang zu Verhütungsmitteln

Mini-Pille: Apotheker:innen aufgeschlossen für OTC-Switch

, Uhr
Berlin -

Deutschland liegt in Bezug auf einen barrierefreien Zugang zu hormonellen Verhütungsmitteln zurück. Benötigen Frauen die Pille, kommen sie um ein Rezept nicht herum. Dabei sind weltweit fast die Hälfte aller Schwangerschaften ungeplant – viele Frauen wünschen sich einen unkomplizierteren Zugang zu Verhütungsmitteln. Ein OTC-Switch könnte Abhilfe schaffen: Für die Minipille wäre dann kein Rezept mehr nötig. Deutsche Apotheker:innen stehen der Entlassung aus der Rezeptpflicht aufgeschlossen gegenüber, wie eine Umfrage ergab.

In Deutschland benötigen Frauen sowohl für Kombinationspräparate als auch für die östrogenfreie Minipille ein Rezept. Dass dies bereits für einige eine Hürde darstellt, belegt eine aktuelle Studie, gefördert von HRA Pharma.

Klares „Ja“ für OTC-Switch

Die Ergebnisse, welche im „European Journal of Contraception & Reproductive Health Care“ veröffentlicht wurden, belegen, dass ein Teil der befragten Frauen in den letzten zwei Jahren Schwierigkeiten hatten, ihre Verhütungspille zu erhalten. Einen leichteren Zugang befürworten auch die Apotheker:innen: Laut der Studie, bei der 100 deutsche Apotheker:innen befragt wurden, ist die Antwort auf die Frage, ob eine rezeptfreie Pille in der Apotheke erhältlich sein soll, ein klares „Ja“.

98 Prozent der befragten Apotheker:innen sind der Meinung, dass ein einfacher Zugang zu hormonellen Verhütungsmitteln für Frauen in Deutschland wichtig ist. Aber nur 66 Prozent der Befragten sehen diesen derzeit als gegeben an. Das Haupthindernis für jeden Zweiten liegt in der Beschränkung, orale Verhütungsmittel nur nach Vorlage eines ärztlichen Rezeptes abgeben zu dürfen.

Zusätzliche Schulungen gewünscht

Ist Frauen die Pille einmal ausgegangen, können Apotheker:innen ohne neues Rezept wenig tun: 63 Prozent der Befragten sehen sich in ihrer Beratungsleistung deswegen eingeschränkt. Deutsche Apotheker:innen fühlen sich allerdings durchaus dazu in der Lage, ihre Kund:innen kompetent zum Thema Verhütung zu beraten. 87 Prozent der Umfrage-Teilnehmer:innen gaben an, sich sehr oder ziemlich souverän dabei zu fühlen, zu verfügbaren Präparaten zu beraten.

Deswegen stehen zwei Drittel der befragten Apotheker:innen einem OTC-Switch der Minipille positiv gegenüber. Wie auch schon bei der Entlassung der „Pille danach“ aus der Rezeptpflicht wünschen sich viele Apotheker:innen zusätzliche Schulungen, um die eigene Beratungsleistung zu optimieren.

Mehrheit würde Minipille empfehlen

Mit einer Mehrheit von 69 Prozent würden die Befragten ihren Kund:innen nach entsprechender Schulung die rezeptfreie Minipille empfehlen. 93 Prozent der Apotheker:innen sehen die rezeptfreie Verfügbarkeit der Minipille eher als geeignet an, um derzeit bestehende Hürden in der Versorgung mit oralen Verhütungsmitteln zu überwinden.

Von dem OTC-Switch würde auch Hersteller HRA profitieren. Larissa Kremer, Head of Medical bei HRA Pharma Deutschland, ist sich sicher: „Die Förderung einer barrierefreien Versorgung mit sicheren Verhütungsmitteln ist ein wichtiger Schritt, um Frauen in ihrer reproduktiven Selbstbestimmung zu unterstützen. Die Apotheker:innen sind hierbei wichtige Partner:innen, die bereits in der Vergangenheit gezeigt haben, dass sie für eine größere Rolle als Gesundheitsberater:innen vor Ort bereit sind.“

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr zum Thema
Mehr aus Ressort
Nachfolge noch nicht bekannt
Seifert verlässt Alliance
Frankfurter Wettbewerbszentrale vs. Katjes
Klimaneutral: BGH prüft Kriterien für Werbung

APOTHEKE ADHOC Debatte