Versandapotheken

Mehrere Interessenten für Vitalsana

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Berlin -

Der Insolvenzverwalter von Schlecker, Arndt Geiwitz, kommt nach eigenem Bekunden mit den Aufräumarbeiten gut voran. Zwar können die Gläubiger kaum hoffen, dass ihre Forderungen erfüllt werden. Aber nach dem Verkauf der ersten Auslandstöchter sollen auch die Reste des Imperiums an den Mann gebracht werden. „Wir sind mit einem Investor in exklusiven Verhandlungen über das Spanien-Geschäft, und ich bin zuversichtlich, dass wir im Herbst eine Lösung präsentieren können“, sagte Geiwitz der Wirtschaftswoche. Für die Versandapotheke Vitalsana gebe es sogar mehrere Interessenten. „Da bin ich ebenfalls optimistisch, dass wir in den kommenden Wochen eine Lösung haben.“

 

Vitalsana ist formal bei der spanischen Schlecker-Tochter angesiedelt. Bislang hatte es aus Geiwitz' Büro immer geheißen, dass die Versandapotheke zusammen mit den lukrativen Filialen auf der Balearenhalbinsel verkauft werden würde. Dies hätte womöglich Sinn gemacht, da mit DocMorris parallel ein stärkerer Konkurrent zum Verkauf steht und angeblich auch über das Schicksal der Europa Apotheek Venlo bei den Eigentümern in den USA nachgedacht wird.

Auch einige der Schlecker-Eigenmarken würden nach der Pleite weitergeführt, sagte Geiwitz. Einen Käufer aus der Tabakbranche gebe es für die Zigaretten-Eigenmarke Commodore. Parallel kümmere er sich um die Veräußerung von Immobilien. „Dabei geht es um Schätzwerte im niedrigen dreistelligen Millionenbereich.“ Die Zahl der noch rund 300 Mitarbeiter in der Schlecker-Zentrale im schwäbischen Ehingen werde in den kommenden Monaten stark sinken. „Ende des Jahres werden wir uns dann überlegen, was wir mit der Immobilie machen. Als weitere zentrale Aufgabe bleibt auch die Auseinandersetzung mit Anton Schlecker und seiner Familie.“

Geiwitz kündigte erneut an, unrechtmäßig übertragene Gelder von Firmenchef Anton Schlecker „rigoros“ zurückzufordern. „Es geht um eine Reihe von Vermögensübertragungen an Familienangehörige in den vergangenen Jahren“, sagte er. Dabei drehe es sich um Summen in Millionenhöhe. „Ich mache keine Angaben zur strafrechtlichen Relevanz, aber einige Immobilien oder die entsprechenden Gegenwerte sind eindeutig zurückzugeben.“ Zudem gebe es „strittige Dinge“, die sich für einen Vergleich eigneten. „Sofern es keine Einigung gibt, müssen sich Gerichte damit befassen.“

 

 

Wenn insolvenzrechtlich etwas zur Vermögensmasse gehört, sind wir verpflichtet, es uns zu holen, erklärte Schneider. „Wir können dem Schuldner aber nicht unters Kopfkissen gucken.“ Geiwitz stellte klar: „Ich verteidige Anton Schlecker nicht.“ Und weiter: „Er war sicher beratungsresistent. Aber wenn man frühere Vermögenswerte betrachtet, hat er das meiste Geld durch die Insolvenz verloren.“ Schlecker habe darüber hinaus sehr viel Geld in die Firma gesteckt, als es schon bergab ging. „So viel Unternehmertum muss man erst einmal zeigen.“

Die meisten der rund 22.000 Gläubiger der Drogeriekette Schlecker werden nach Einschätzung von Geiwitz übrigens leer ausgehen. „Viel Geld werden sie nicht bekommen. Es ist für viele Gläubiger sicher eine Enttäuschung, aber mehr ist nicht drin“, sagte Geiwitz. Der Insolvenzverwalter der Schlecker-Tochter „IhrPlatz“, Werner Schneider, ergänzte: „Bei 'IhrPlatz' sieht es etwas besser aus, aber auch hier ist eine Aussage zur Quotenhöhe noch nicht möglich.“ Die Summe aller Gläubigerforderungen übersteigt nach früheren Angaben eine Milliarde Euro.

Kritik übte der Insolvenzverwalter am Arbeitsrecht. „In Situationen, bei denen es um alles oder nichts geht, wäre ein sanierungsfreundlicheres Arbeitsrecht sinnvoll.“ Zwar seien Kündigungsschutzklagen individuell nachvollziehbar, hätten in Summe aber oft verheerende Auswirkungen. „Den Mitarbeitern nutzt das am Ende wenig, dem Gesamtverfahren bringt es Chaos. Der Kündigungsschutz an sich hat seine Berechtigung. Aber wenn Leute sich in stillgelegte Betriebe einklagen, wird es absurd.“ Durch die im Januar bekanntgewordene Schlecker-Insolvenz verloren gut 25.000 Beschäftigte ihren Job. Bei „IhrPlatz“ arbeiteten zuletzt gut 4000 Menschen.

 

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