Mund- und Rachentherapeutika

Hexoral-Lösung ist zurück

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Berlin -

Lücke gefüllt: Mehrere Jahre lang war Hexoral-Lösung nicht lieferbar, seit einigen Wochen hat die rote Gurgellösung wieder Einzug in die Apotheken gehalten. Was war passiert?

Lange Zeit rankten sich Gerüchte um den Lieferengpass bei Hexoral. Einige Kollegen vermuteten, der hohe Alkoholgehalt sei der Grund, andere Produktions- oder Rohstoffprobleme beim französischen Lohnhersteller Famar Orléans. Auf Nachfrage, was denn für den langen Defekt gesorgt hatte, schreibt Johnson & Johnson: „Hexoral-Lösung war aufgrund technischer Probleme bei der Produktion länger nicht verfügbar.“

Tatsächlich wurde ein neuer Hinweis in die Produktinformation aufgenommen: „Wenn die Symptome anhalten oder schlimmer werden oder neue Symptome auftreten, sollte die Behandlung unterbrochen und ein Arzt oder Zahnarzt aufgesucht werden.“ Neu ist auch der Anwendungshinweis: „Nach der Behandlung ausspucken. Nicht schlucken. Kinder von 6 bis 8 Jahren nur unter Aufsicht spülen oder gurgeln lassen.“ Bis zum Alter von sechs Jahren soll Hexoral maximal dreimal täglich angewendet werden.

Bei den Nebenwirkungen wurden die bislang beschriebenen Überempfindlichkeitsreaktionen umklassifiziert in „allergische Reaktionen“. Das Risiko für reversible Zahn- und Zungenverfärbungen wurde von unbekannter Häufigkeit in „sehr selten“ umgruppiert.

Hexoral-Lösung enthält wie das Spray den Wirkstoff Hexetidin. Die Produkte können zur vorübergehenden Keimzahlverminderung im Mund- und Rachenraum eingesetzt werden. Verwendung findet der Wirkstoff auch zur unterstützenden Behandlung bakterieller Entzündungen des Zahnfleisches oder der Mundschleimhaut sowie nach parodontalchirurgischen Eingriffen. Die Lösung hat einen Alkoholgehalt von 5,4 Prozent und kann bereits bei Kindern ab zwei Jahren angewendet werden. Zwischen zwei und sechs Jahren empfiehlt sich ein Aufpinseln der Lösung mit einem Wattestäbchen. Ab sechs Jahren kann dann für 30 Sekunden gespült oder gegurgelt werden.

Hexetidin ist seit etwa 50 Jahren am Markt und besitzt antibakterielle, antimykotische und antiparasitäre Eigenschaften. Der Wirkstoff besitzt eine hohe Schleimhautaffinität und kann etwa 12 bis 14 Stunden antibakteriell wirken, zudem wird der lokal wirksame Arzneistoff kaum vom Körper aufgenommen. Die bakteriostatischen und bakteriziden Eigenschaften werden auf die Strukturähnlichkeit mit Thiamin zurückgeführt. Hexetidin ist auch in den Vaginaltabletten Vagi-Hex (Drossa Pharm) zur Verminderung pathologer Keime im Vaginalbereich enthalten.

In den letzten Jahren mussten die Apotheken auf andere Lösungen für den Mund- und Rachenraum ausweichen. Zum Einsatz kamen beispielsweise die Chlorhexidin-haltigen Präparate Chlorhexamed (GSK) und Gum Paroex (Sunstar) oder die Gurgellösung Ratiopharm (Dequalin) sowie auch Tantum Verde (Benzydamin).

Chlorhexidin ist gegen grampositive und einige gramnegative Bakterien wirksam und besitzt eine hohe Affinität zur Zellwand der Mikroorganismen und verändert bei Kontakt die Oberflächenbeschaffenheit. Somit ist die Zellmembran in ihrer Beschaffenheit gestört. Chlorhexidin ist nicht nur als Lösung, sondern auch als Puder oder als Desinfektionsmittel in Salben enthalten.

Dequalin besitzt antimikrobielle Eigenschaften und ist gegen aerobe grampositive und gramnegative Bakterien sowie Anaerobia, Hefepilze und Protozoen wirksam. Der Arzneistoff besitzt eine lokale Wirkung und führt durch eine Erhöhung der Zellpermeabilität schließlich zum Zellltod.

Benzydamin wird zur Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika gezählt und ausschließlich lokal zur Linderung der Beschwerden angewendet. Dem Arzneistoff werden entzündungshemmende, lokalanästhetische, bakterizide und fungizide Eigenschaften zugesprochen.

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