Versandapotheken

FAZ: DocMorris wird verkauft APOTHEKE ADHOC, 26.03.2012 17:39 Uhr aktualisiert am 27.03.2012 16:22 Uhr

Berlin - Der Stuttgarter Pharmahandelskonzern Celesio hat seine Zahlen für das Jahr 2011 präsentiert. Die interessieren die Fachöffentlichkeit allerdings weit weniger als der Ausblick. Ganz oben auf den Fragelisten der meisten Journalisten dürfte stehen: Was wird mit DocMorris? Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), zu Zeiten Haus- und Hofblatt des Konzerns, weiß bereits die Antwort: DocMorris wird verkauft.

Laut FAZ ist die Deutsche Bank mit der Suche nach Investoren beauftragt. Ein Konzernsprecher wollte den Bericht auf Nachfrage nicht kommentieren. Der neue Konzernchef Markus Pinger hatte bereits Ende vergangenen Jahres angekündigt, 2012 eine „Lösung für DocMorris“ finden zu wollen, um die Beziehung zu den Kunden zu verbessern.

Dem Bericht zufolge soll Pinger in seinem Gespräch mit DAV-Chef Fritz Becker und ABDA-Hauptgeschäftsführer Dr. Sebastian Schmitz über seine Pläne berichtet haben. Der Verkauf, der möglichst noch in diesem Jahr über die Bühne gehen soll, dürfte Celesio einen dreistelligen Millionenbetrag einbringen.

DocMorris erzielt im Versandhandel einen Umsatz von gut 300 Millionen Euro und gilt als rentabel. Grundsätzlich könne DocMorris für Finanzinvestoren wie auch für strategische Investoren interessant sein. Unklar ist nach Angaben der FAZ noch, ob lediglich das Geschäft der Versandapotheke abgegeben werden soll oder auch die Marke DocMorris, die rund 150 Apotheker nutzen.

Celesio hatte die Versandapotheke im April 2007 zu 90 Prozent für 183 Millionen Euro übernommen; im August 2009 kaufte der Konzern die restlichen Anteile vom Management um Ralf Däinghaus und Thomas Schiffer. Nachdem der Europäische Gerichtshof (EuGH) den Aufbau einer Apothekenkette untersagt hatte, hatte Celesio 71 Millionen Euro auf das Markenpartnergeschäft von DocMorris abschreiben müssen.

Pingers Vorgänger Dr. Fritz Oesterle war trotzdem der Meinung gewesen, dass sich der Kauf von DocMorris auch ohne eigene Apothekenkette in Deutschland gelohnt habe: „Das Wohl und Wehe von Celesio hängt nicht von der Liberalisierung des deutschen Apothekenmarktes ab.“ Stattdessen wollte Oesterle DocMorris zur internationalen Marke machen. Auch das will Pinger offenbar nicht.

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