Zertifikate: Verordnung kippt Apomondo-Angebot

„Der Gesetzgeber sollte doch gelernt haben, dass er den Apotheken vertrauen kann“

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Berlin -

Apomondo wollte auf der Höhe der Zeit sein und die Ausstellung digitaler Impfzertifikate voll digital ermöglichen. Doch das Bundesgesundheitsministerium (BMG) wollte das nicht: Ab Donnerstag soll das nämlich verboten sein. Das apothekereigene Telepharmazie-Unternehmen muss sein Angebot dann einstampfen. Für Mitgründerin Margit Schlenk zeigt die Entscheidung des BMG einmal mehr dessen mangelndes Vertrauen in die Apothekerschaft.

Digitale Impfzertifikate sollen Geimpften so einiges erleichtern – aber auch nicht zu sehr, denn eine rein computergestützte Ausstellung ist ab dem 8. Juli verboten. Mit der Änderung der Coronavirus-Impfverordnung (ImpfV) soll ausdrücklich ein unmittelbarer persönlicher Kontakt zwischen Apotheke oder Arztpraxis und der geimpften Person vorgeschrieben werden. Zur Begründung heißt es, eine ordnungsgemäße Kontrolle sei nur bei einer Präsenzausstellung zu gewährleisten: „Eine Ausstellung etwa im Rahmen telemedizinischer Verfahren wird den Anforderungen an eine ordnungsgemäße Kontrolle demgegenüber nicht gerecht. Dies gilt umso mehr, da eine missbräuchliche Ausstellung nach unzureichender Prüfung zu erheblichen strafrechtlichen Sanktionen führen kann.“

Dabei hatte Apomondo genau das versprochen, nämlich dass eine sichere Prüfung auch am Bildschirm möglich ist. „Wird der Personalausweis in die Kamera gehalten, kann man anhand des Hologramms auch durch die Kamera erkennen, ob das Dokument echt ist“, erklärt Schlenk vor wenigen Wochen. Doch das sieht das BMG offenbar anders – aus Schlenks Sicht anscheinend aus übertriebener Vorsicht: „Die Entscheidung ist ein Stückweit nachvollziehbar, weil schon viele Fehler gemacht wurden und die Politik Angst hat, dass sich so etwas wie bei den Tests wiederholt, als plötzlich jede Shisha-Bar zum Testzentrum werden konnte“, sagt die Inhaberin der Nürnberger NM Vital Apotheke. „Dennoch ist es überzogen und schießt über das Ziel hinaus. Es fehlt einfach das Maß.“

Denn eine Einschränkung sei durchaus sinnvoll, nur müsse die eben an anderer Stelle erfolgen. „Natürlich darf es keinen Missbrauch geben und es dürfen auch keine anonymen Callcenter Impfzertifikate ausstellen“, sagt Schlenk. „Aber wenn eine Apotheke ihren Stammkunden diesen Service anbietet, spricht doch absolut nichts dagegen, das zu tun.“

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