Apothekerkarriere

Von Phoenix „back to the roots“

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Berlin -

Nicht selten bevorzugen Pharmazeuten eine Laufbahn in der Industrie statt in der Offizin. Auch Dr. Christian Engel hat sich für eine Karriere außerhalb der Apotheke entschieden. Nach führenden Positionen bei den Generikaherstellern Hexal und Ratiopharm sowie dem Großhändler Phoenix wechselte er nach 13 Jahren zurück in sein Fach – als Angestellter in die Apotheken von Michael Schill in Baden-Württemberg.

Engel ist ein Marketingexperte. Dennoch entschloss er sich in diesem Jahr, in die Offizin zurückzukehren. Seinen Neustart als Approbierter beschreibt er selbst als „back to the roots“. Er gab seinen Posten als Marketingchef bei Phoenix aus privaten Gründen auf. „Irgendwann kommt der Punkt, an dem sich die Prioritäten verschieben“, sagt er. Er habe mehr selbstbestimmte Zeit für die Familie haben wollen.

Die Entscheidung, wieder als Apotheker zu arbeiten, traf Engel gemeinsam mit seiner Frau. Beide überlegten, eine eigene Apotheke zu führen. „Es gab eine Zeit des Gasgebens, jetzt bin ich in einer eher entschleunigten Phase“, sagt er. Anfang des Jahres begann Engel, die Stellenanzeigen durchzusehen. Drei bis vier Annoncen entsprachen seinen Vorstellungen. Er bewarb sich zunächst als Angestellter, um Praxiserfahrung zu sammeln. „Ein bisschen Bauchschmerzen hatte ich schon, da ich nicht viel Erfahrung bei der Beratung nachweisen konnte“, sagt er.

Schill bot ihm eine Stelle an. „Er war schon ein wenig verwundert, als der Ex-Marketingleiter von Phoenix zum Bewerbungsgespräch kam“, sagt Engel. Seit Mai ist er für den Inhaber der drei Fortuna-Apotheken in Mannheim und Heidelberg tätig. Mit seiner Wahl ist Engel zufrieden. Schill verfüge über eine moderne Offizin mit Automaten, Altenheim- und Krankenhausversorgung, einer großen Rezeptur und Palliativ-Versorgung mit Sterilherstellung. „Hier kann ich viel lernen“, sagt er.

Der Einstieg sei anfangs auch holprig gewesen: „Bei einer Trockenübung für die künftige Arbeit im Sterilraum habe ich mir beim Entfernen der Verschlusskappe gleich die Kanüle in den Finger gestochen“, sagt Engel. Die Kollegen hätten ihn bei der Einarbeitung aber unterstützt. Schill führt die Fortuna-Apotheke in dritter Generation. In diesem Jahr übernahm er das Zytogeschäft von Fresenius Kabi.

Mittlerweile ist Engel im Apothekenalltag angekommen. Sein Aufgabenfeld besteht zu gleichen Teilen aus der Arbeit in der Sterilherstellung sowie im Verkaufsraum. „Es ist schön, wenn Kunden inzwischen in der Offizin explizit nach mir fragen“, sagt er. Der Beruf sei unheimlich vielfältig. Die Arbeit in der Industrie fehlt ihm nicht: „Ich vermisse weder 70 Stunden Wochen, noch die hundertste E-Mail zu lesen.“

Der 43-Jährige stammt aus einer Apothekerfamilie. Nach seinem Pharmaziestudium und einer kurzen Tätigkeit als Vertretungsapotheker wechselte er als Produktmanager zu Hexal. 2004 übernahm er die Verantwortung für das Geschäft der Holzkirchener in Ungarn. In diese Zeit fiel auch die Integration von Hexal, 1A und Sandoz infolge der Übernahme durch Novartis.

2007 wechselte Engel als Marketingleiter zu CT Arzneimittel nach Berlin. Anfang 2009 übernahm er den Bereich bei der großen CT-Schwester Ratiopharm. Als Vertriebschef Rainer Seiler im April 2010 zur Versandapotheke „Zur Rose“ ging, kam dessen Aufgabenbereich für Engel dazu.

Anfang 2012 wechselte Engel nach Genf und arbeitete am Aufbau des Gemeinschaftsprojektes von Teva und Procter & Gamble (P&G). Die Mutterkonzerne von Ratiopharm und Wick hatten zuvor ihr OTC-Geschäft in ein gemeinsames Joint Venture eingebracht.

2013 klopfte der Großhändler Phoenix an. Der heutige Konzernchef Oliver Windholz hatte von April 2008 an die Geschicke von Ratiopharm gelenkt und damit auch den Verkauf an Teva begleitet. Im Februar 2011 holte die Merckle-Familie ihn „zurück“ in ihr Imperium. Engels Pläne, sich selbstständig zu machen, sind zwar noch nicht vom Tisch. Aber: „Inzwischen kann ich mir auch vorstellen, keine eigene Apotheke aufzumachen. Mal sehen, wie sich das hier entwickelt.“

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