Beratungstipps: Pädiatrie

Wenn Kinder dauerhaft Verstopfung haben

, Uhr

Osmotische Laxantien als Basistherapie

Als Basistherapie sollten osmotisch-wirksame Laxantien eingesetzt werden. Dazu gehören Lactulose, Mannit, Sorbit, Magnesiumsulfat (Bittersalz) und Natriumsulfat (Glaubersalz). Die beiden letzten Substanzen finden eher in der Vorbereitung auf diagnostische Einsätze Verwendung. Lactulose gehört zu den synthetischen Sacchariden. Es kann im Körper nicht verwertet werden. Dies ist der Grund für die osmotische und folglich abführende Wirkung – es kommt zu einem Wassereinstrom in den Darm. Die Dosierung erfolgt nach Alter oder Gewicht. Angewendet werden können viele Lösungen bereits ab dem Säuglingsalter. Sorbit ist als Sorbitollösung beispielsweise in Miniklistieren enthalten. Die rektalen Darreichungsformen können meist schon bei Säuglingen gegeben werden. Hier kann es sein, dass die Eltern nur das halbe Klistier im Rektum entleeren müssen.

Chemische Abführmittel – gefürchteter Gewöhnungseffekt

Bei chemischen Laxantien sind viele Eltern eher zurückhaltend. Und auch zahlreiche Apotheker:innen und PTA werden sicherlich eher zu Lactulose & Co. raten, als direkt mit Bisacodyl und Natriumpicosulfat zu therapieren. Für den Wirkstoff Bisacodyl liegen neue Erkenntnisse zur Langzeitanwendung bei Kindern vor: Im Ergebnis zeigt sich, dass es keine signifikanten Nachteile bei Daueranwendung gibt. In die Untersuchung wurden 164 pädiatrische Patienten mit refraktärer funktioneller Obstipation aufgenommen. Die Stuhlfrequenz konnte unter der Langzeitanwendung von Bisacodyl verdoppelt werden. Ein Gewöhnungseffekt trat nicht ein.

Die Gabe erfolgte über eine mittlere Behandlungsdauer von 14 Monaten. Als Zusatz zur bestehenden Basistherapie mit osmotischen Laxantien konnte die Stuhlfrequenz auf viermal die Woche erhöht werden. Das Verträglichkeitsprofil von Bisacodyl war gut. 8 Prozent der Kinder (13 Proband:innen) litten unter Nebenwirkungen wie Diarrhoe oder Bauchschmerzen. Hier erfolgte eine Dosisanpassung. Bei mehr als der Hälfte der Patient:innen (55 Prozent) war ein allmähliches Absetzen erfolgreich – die Stuhlfrequenz konnte beibehalten werden. Weder die Behandlungsdauer noch Dosierung hatte einen Einfluss auf den Auslassversuch.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch
Neuere Artikel zum Thema

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Umlautprobleme und Botendienstsorge
E-Rezept: Vor- und Nachteile in der Praxis»
Ärzt:innen warnen vor Zwangseinführung
KV Hessen: Resolution gegen das E-Rezept»
Auf antibakterielle Wirkstoffe besser verzichten
Hautcremes können dem Mikrobiom schaden»
Erste Leitlinie für Diagnose & Behandlung
Vitiligo: Wenn der Haut die Pigmente fehlen»